Wien - Höchstens vier Stunden wird der Prozess gegen Robert Mang dauern, der sich am 7. September vor einem Wiener Schöffensenat wegen des spektakulären Saliera-Diebstahls verantworten muss. Lediglich drei Zeugen hat das Gericht geladen, darunter Wilfried Seipel, den Generaldirektor des Kunsthistorischen Museums, und Uniqa-Generaldirektor Konstantin Klien.
Mang hatte Klien einen Brief geschrieben, er werde das von ihm am 11. Mai 2003 entwendete weltberühmte Salzfass von Benvenuto Cellini vernichten, sollte nicht "Lösegeld" bezahlt werden. Die Rede war zunächst von fünf Millionen Euro, die Mang später auf zehn Millionen erhöhte. Zur Untermauerung seiner Forderung legte der Absender dem Kuvert ein paar Splitter der 26 Zentimeter großen, in den Jahren 1540 bis 1543 im Auftrag von König Franz I. von Frankreich entstandenen Skulptur bei.
Disco-Laune oder Vorsatz?
Staatsanwältin Susanne Waidecker legt Mang in ihrer 18 Seiten umfassenden Anklageschrift daher neben schwerem Einbruchsdiebstahl auch versuchte Erpressung zur Last. Dem Angeklagten drohen bis zu zehn Jahre Haft.
Der Experte für Alarmanlagen - seine Firma in Wien-Neubau war auf deren Verkauf spezialisiert, mittlerweile hat er den Betrieb verkauft - war angeblich bei einem Museumsbesuch auf die Idee gekommen, das in seinen Augen ungenügend gesicherte Salzfass zu stehlen. Eigenen Angaben zufolge war er nach einem Disco-Besuch und dem Genuss von fünf Bier und zwei Tequila entsprechend enthemmt, um gegen 3.55 Uhr in der Früh über ein Baugerüst ins Museumsinnere vorzudringen.
Die Staatsanwältin schenkt der Darstellung, es habe sich um eine "b'soffene G'schicht" gehandelt, allerdings keinen Glauben. Einerseits macht sie in ihrer Anklage darauf aufmerksam, Mang habe wenige Wochen vor der Tat das Kabinett 4 als regulärer Museumsbesucher genau inspiziert und dabei festgestellt, dass der Raum mit einer Alarmanlage und drei Ultraschall-Bewegungsmeldern unzureichend und die Vitrine mit der Saliera gar nicht separat gesichert war.
Andererseits betont sie, Mang hätte es immerhin geschafft, mit Hilfe eines Baugerüsts über sieben Gerüstebenen in den ersten Stock zu klettern, um zum Objekt seiner Begierde zu gelangen: "Eine Leistung, die im alkoholisierten Zustand nicht möglich gewesen wäre."
Der Diebstahl wurde erst Stunden später bemerkt, was eine heftige Diskussion über die Sicherungsmaßnahmen im KHM und Kritik am Museumsleiter Wilfried Seipel sowie der zuständigen Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) auslöste.
Der spektakuläre Coup konnte erst zweieinhalb Jahre nach der Tat geklärt werden. Die Saliera wurde in einem Waldstück im Raum Zwettl im Waldviertel gefunden, nachdem sich Mang bei der Polizei gemeldet hatte. Denn sein Foto war in mehreren Medien veröffentlicht und er dort als "Person aus dem Umfeld der Täter "bezeichnet worden. Bekannte hatten ihn auf die Ähnlichkeit mit dem Fahndungsfoto angesprochen, was ihn nervös gemacht haben dürfte.
Seit Ende Jänner sitzt Mang nun in der Justizanstalt Josefstadt in U-Haft, wo er als Musterhäftling gilt. Mit Vorliebe liest Mang Thomas Bernhard, die Zeitungslektüre ist ihm eben so wichtig. Er achtet auf gesunde, ausgewogene Ernährung, ist bemüht, mit einem täglichen Fitness-Programm, das Sit-Ups, Liegestütze und Hantel-Training umfasst, seinen Körper "in Schuss" zu halten. Er hat auch einen "Beruf": Seine Aufgabe ist es unter anderem, an die Mitgefangenen die "Häf'npost" zu verteilen. (APA)