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vom 12.06.2007 - Seite 021
Flaschenmeer und Flaschenhälse

Ein römischer Kaiser und ein Schweizer Kurator mit Linz-Bezug haben in der Kulturhauptstadt Luxemburg und Großregion 2007 Spuren hinterlassen, die in gegensätzliche Richtungen zeigen.

VON BERNHARD LICHTENBERGER AUS LUXEMBURG

Mit "Konstantin der Große" in Trier hat Rheinland-Pfalz den einfachen Weg eingeschlagen, einer Landesausstellung das Kulturhauptstadt-Etikett umzuhängen. Die Schau über den ersten Herrscher des römischen Imperiums, der sich taufen ließ und damit zum Mitbegründer des christlichen Abendlandes wurde, zieht trotz ihres herkömmlichen Ansatzes Besucher an. Die stauen sich dann jedoch in einem misslungenen Raumlabyrinth, das immer wieder "Flaschenhälse" aufweist.

Ganz anders "All We Need": eine lebendige, spielerische, eindringliche Ausstellung über menschliche Bedürfnisse, Ressourcen und Fairness in der Gebläsehalle im luxemburgischen Esch, für die Linz09-Intendant Martin Heller das künstlerische Konzept entworfen hat.

Suche nach dem Glück

In dem ausladenden Architekturrelikt der Stahlindustrie führt die Suche nach dem Glück per Audioführer zu zehn Bedürfnissen, die der chilenische Ökonom Manfred Max-Neef formuliert hat, von der Muße über Freiheit und Liebe bis zu Schutz und Kreativität. Dabei zeigt sich, welche Auswirkungen die Befriedigung der Bedürfnisse auf andere Menschen, auf die Natur, auf die Welt hat.

Schon die erste Station beeindruckt: Ein riesiger Sandstrand mit Blick auf ein Meer aus Wasserflaschen erinnert an die Versprechen eines Ferienparadieses, darüber kreist ein Flugzeug der Linie "AirWeneed". Welche Folgen hat unsere Erholungslust auf die Umwelt, auf Einheimische, wie können wir dem fair begegnen? An anderer Stelle wird Globalisierung plakativ am Beispiel der Jeans vor Augen geführt: 50.000 Flugkilometer vergehen, bis der Entstehungsweg der Hose im Geschäft endet. "All We Need" ist eine sehr sinnliche Schau, die Spuren im Kopf hinterlässt.

Schlüsse aus Luxemburg07

Aus der Studienreise des Kultur- und Tourismusausschusses des Linzer Gemeinderates nach Luxemburg wurden erste Schlüsse gezogen: "In den Gesprächen ist bewusst geworden, dass man die Kulturhauptstadt als kultur- und standortspezifische Chance sieht. Das Kultursponsoring funktioniert allerdings nicht in dem Maß, wie man es bei mehr als 100 Banken annehmen würde", sagte etwa Vizebürgermeister Erich Watzl.

"Wie wird es uns gelingen, den Speckgürtel um Linz mit seinen 200.000 Menschen zur Festivalregion zu machen?", fragte sich Landeshauptmann Josef Pühringer, der sich der Delegation angeschlossen hatte, "und wie binden wir die entfernter Liegenden an?"

"Der Schwerpunkt muss bei Linz09 auf der Stadt liegen, die sich auf ihre Stärken wie Medienkunst, elektronische Kunst konzentrieren soll", befindet die sozialdemokratische Fraktion im Kulturausschuss.

Und für Ulrich Fuchs, den stellvertretenden Linz09-Intendanten, wurde klar, nach dem Startschuss "nicht locker zu lassen, programmatisch immer etwas zu setzen".

"Relax" heißt diese künstliche Urlaubslandschaft aus der spielerisch umgesetzten Ausstellung "All We Need". Foto: Christof Weber


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