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Essl Museum: Die Verlobung von Maler und Malerin

01.09.2011 | 18:09 | von Almuth Spiegler (Die Presse)

Weltstar Neo Rauch und seine Frau Rosa Loy bitten „Hinter die Gärten“: in ihre extrem dichten, extrem berührenden, extrem verrätselten Gegenwelten, die fast allen Geschlechterklischees gerecht werden.

Das kann nicht immer so harmonisch abgehen, wie das reizende Paar auf dem Podium es glauben machen lässt – Neo Rauch und Rosa Loy immer höflich, lächelnd, spaßend, bis auch die allerletzte Frage über ihre unterschiedlich erfolgreichen Karrieren, ihrer beider Kunststudium in der DDR, ihr paralleles Arbeiten in benachbarten Ateliers in Leipzig, ihre erste gemeinsame Ausstellung hier bei Essl verklungen ist.

In der letzten Reihe lauscht stoisch Rauchs Galerist Judy Lybke den Ausführungen seines Stars, dessen neue Historiengemälde bis zu 1,4Mio. Dollar erzielen. Loy wird nicht von ihm, dem „Macher“ der Neuen Leipziger Schule, vertreten, sie hat andere Galerien, und ihre Bilder kosten einen Bruchteil von denen ihres Mannes. Und das ist nicht das einzige Geschlechterklischee, das an diesem Malerpaar nachvollzogen werden kann.

Da hilft auch nicht, dass Rauch oft die Fäuste ballt vor Zorn, wie er erzählt, wenn „Kollegin Loy“ im Atelier nebenan nur wenig Beachtung fand von Sammlern, Kuratoren, Journalisten. Wenn sie wie seine Sekretärin behandelt wurde. Wenn ein Kunstmagazin nur wissen wollte, wie ihre Küche aussieht, nicht ihre Bilder. Sie ist daran trotzdem nicht verzweifelt, hat trotzdem ihre Sammler weltweit, ist trotzdem nicht abgewichen von dem gemeinsamen Stil, der ihn berühmt machte und sie dadurch doppelt benachteiligte.

 

So malt der Mann, so malt die Frau

Trotz der eindeutigen stilistischen Gemeinsamkeiten, der gedämpften Retrofarbigkeit, der prekären, magisch-realistischen Traumwelten mit ihren abstrakten und surrealen Einbrüchen folgt jeder einer eigenen Erzählung. Und diese Erzählungen stehen archetypisch für die traditionelle männliche und weibliche Malerei. Rauchs Szenen sind vorwiegend großformatig, vielfigurig, spielen in öffentlichen Räumen und sind hermetisch in sich abgeschlossen. Loys Szenen sind meist kleinformatiger, spielen in intimeren Räumen, zeigen fast nur Frauen, die wie Stellvertreterinnen der Malerin funktionieren, und kommunizieren direkt mit dem Betrachter per Blickkontakt.

Diese Welten ergänzen einander also wunderbar. Und wenn Neo Rauch sich selbst in einem älteren Katalogbeitrag für seine Frau einmal fragte, wo denn in deren Kunst nur die Männer blieben, wie denn da überhaupt je die Chymische Hochzeit stattfinden solle, die große Utopie der Nachkriegskunst, die Verschmelzung des weiblichen und männlichen Prinzips zu einem Ganzen, dann weist diese Ausstellung zumindest den Weg dahin: Hier kriegt Rauchs dumpfe Schwere Loys hellere Leichtigkeit zur Seite, seine mächtigen Räume die lauschigen Rückzugsorte, seine „Disteln“ die „Heilpflanzen“, wie Rauch es beschreibt. Er will den Betrachter schließlich an den Abgrund führen, sie ihn eher um diesen herum. Die Wurmlöcher zwischen ihren Welten bildet eine wuchernde Natur, die sich in der Realität in beider Liebe zum Gärtnern ausdrückt, sich in ihrer Kunst aber weniger leicht zähmen lässt: ob jetzt bei Rauch der Wald immer mehr die Macht übernimmt oder bei Loy die Frauen Symbiosen mit Tieren oder Kakteen eingehen – hier wird es jedenfalls innig. Eine Ausstellung wie eine altmodische Verlobung, deren geballter Pathos vielleicht manchmal nicht zu ertragen ist, deren Zauber man sich aber dennoch schwer entziehen kann.


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