Feldkirch (VN-ag) Mit dem 1971 in Wien geborenen Markus Reiter
zeigt die Galerie Sechzig in Feldkirch einen interessanten Vertreter
der jüngeren österreichischen Malerei. Im Spannungsfeld zwischen
Abstraktion und Figuration, zwischen tradierten kunsthistorischen
Topoi und seiner eigenen Version von Welt, lotet der in Wien und
Klosterneuburg lebende Markus Reiter die Möglichkeiten des Mediums
Malerei aus.
Sehen und Erkennen
Ob Ziegenbock, Mann, Frau oder Gartenzimmer - in den
Mischtechniken löst sich das Dargestellte in Umrissen auf. Wenn
Menschen auf Formen reduziert zu bloßen Hüllen werden und sich die
Realität zum noch Identifizierbaren verwischt, geht es dem Maler um
den Prozess des Sehens und Erkennens. Wo, in Anlehnung an Platons
Höhlengleichnis, ein Abbild die Wirklichkeit verfälschen würde,
lässt Reiter vieles in der Schwebe, und schafft damit Klarheit.
Markus Reiters Bilder leben von diesen Gegensätzen. Bei Markus
Reiter kann das Abstrakte nicht ohne das Figurative, und das
Malerische kommt nicht ohne das Zeichnerische aus. Dazwischen liegt
eine offene Malweise, wo die unbehandelte Leinwand mit ihren
Leerstellen Freiraum lässt.
Diesem Gestaltungsprinzip ist auch die Malweise unterstellt.
Alles wirkt sehr leicht und luftig, aber dennoch liegt eine solide
Basis zugrunde. Eine Ernsthaftigkeit, die der Leichtigkeit trotzt
und seltsam berührt. Angetrieben wird das Schaffen von den "ewigen"
Themen Liebe und Tod, während die schemenhaft wiedergegebenen
Gartenlandschaften, angesiedelt zwischen Ursprünglichkeit und
kontrolliertem Eingreifen, von der Suche nach Schönheit und Stille
erzählen.
Fenster öffnen
Kuratiert vom Wiener Galeristen Manfred Lang reflektieren die
Werke in der Ausstellung "die Sehnsucht nach einem Seinszustand", so
Reiter. Dass auch der Betrachter vor diesen Bildern, die sich wie
Fenster öffnen, einfach nur "sein" darf, spricht für die Qualität
des Werks.