| Salzburger Nachrichten am 2. März 2006 - Bereich: Kultur
Sechs Schritte weit weg vom Glück Medienkunst: Das Festival
"Basics" thematisiert das Suchen und Finden in einer vernetzten Welt
CLEMENS PANAGLSALZBURG (SN). Sind Individualurlauber ideale
Heiratskandidaten? Lässt sich vom Musikgeschmack einer Flirtbekanntschaft
auf ihr Einkaufsverhalten bei IKEA schließen? Von Körperteilen auf den
Charakter? Und sucht, wer "Some like it hot" zu seinen Lieblingsfilmen
zählt, auch in Wirklichkeit den Millionär fürs Leben? Solche und ähnlich essenzielle Fragen bei der Partnersuche werden auf
der Internetseite www.sucht.se, die seit gestern, Mittwoch, online ist,
nicht beantwortet. Wer sich bei der fiktiven Dating-Plattform einen
Benutzernamen zulegt und in sechs Schritten ein Persönlichkeitsprofil von
sich ins Netz stellt, kann jedoch bis 24. März selbst Antworten suchen und
finden. In seiner dritten Auflage hat sich das Salzburger Medienkunst-Festival
"Basics" das Suchen und Finden in einer digital vernetzten Welt zum Thema
gemacht. Als virtuellen Beitrag hat die Salzburger Netzkunst-Initiative
"subnet" eine Internet-Dating-Plattform nachgebaut: einen Spielraum für
Beziehungssucher und Selbstdarsteller. "Es ist ein Spiel mit dem Erkennen
und Wiedererkennen", erklärt "subnet"-Vorsitzende Sarah Schönauer. Wer
mitspielt, gibt mit einem Einstandstext, der Wahl eines Möbelstücks, der
Vorstellung seiner Lieblingsmusik, -filme und -reiseziele und sogar mit
einer Abbildung seines Allerwertesten Hinweise auf seine echte oder frei
erfundene Identität. Aus diesem Supermarkt der Eigenschaften können sich die jeweils anderen
Mitspieler einen Traumpartner basteln - oder auch die hinter der
Internetkunstfigur vermutete, echte Person enttarnen. Denn: Nicht um das
reale Finden eines Partners gehe es auf sucht.se, "sondern darum, was man
glaubt, zu finden. Dating-Plattformen erleben einen unheimlichen Boom. Wir
wollten das Phänomen aber nicht theoretisch hinterfragen, sondern
spielerisch", sagt Schönauer. Real treffen können sich die Mitspieler bei
Performances und einer abschließenden "Single Part xY" mit
schauspielerischen Interventionen. "Is there anyone out there?", fragt auch die "Basics"-Ausstellung in
der Galerie 5020, in deren Zentrum "unterschiedlichste Verabredungsformen
stehen", wie Galerie-Leiterin Hildegard Fraueneder erklärt. Die Schau
erweitert das Dating-Feld auch um politische Dimensionen. So schaltete
Tanja Ostojic für ihr Projekt "Looking for a Husband" Inserate, in denen
sie mittels Nacktfoto einen "Mann mit EU-Pass" sucht. Die Suche und die
Heirat mit einem deutschen Künstler in Belgrad sind in der Ausstellung
dokumentiert. Mit versteckter Kamera hat sich Laurie Long für ihr "Dating
Surveillance Projekt" mit Männern verabredet, die Rendezvous gefilmt und
sich danach zur Manöverkritik samt Kamera vor den nächsten
Badezimmerspiegel begeben. "Speed Dates" hat Manuela Mitterhuber mit
Künstlern in Paris arrangiert - und reflektiert anhand der dreiminütigen
Kennenlern-Gespräche über "Effizienz und Struktur der ersten
Kontaktaufnahme und die Vernetzung im Kunstbetrieb". Für den theoretischen Rahmen sorgt wieder ein Symposion an der FH: In
Vorträgen geht es um "Kommunikative Konsequenzen zivilisatorischer
Vernetzung", die "Suche nach Liebesbeziehungen im Cyberspace" oder um die
Frage "Wem gehören die Beziehungen im Netz?"Basics Festival: bis 24. März;
Internet: www.basics-festival.net; www.sucht.se |