Arnulf Rainers sanft erotische Blicke
„Female“. Eine neue Ausstellung im Museum der Moderne Salzburg zeigt Kunstwerke über das Weibliche und das ewige Stimulans „Frau“.
Gudrun Weinzierl Salzburg (SN). Verschleiern und Verbergen, Hervorheben und Betonen sind Schlüsselmotive in Bildern Arnulf Rainers, der im Übermalen „einen sanften Prozess des Umwandelns, ein Zur-Ruhe-Finden und eine Vollkommenheitsübung“ sieht. Seine Themenvielfalt als Übermaler, Zumaler, „Bestalter“, „Auslöscher“ und „Verwandler“ ist riesig: Hinter seinen allmählich zugemalten Bildern verbergen sich Porträts, Masken, Landschaften, Architektur und Pflanzen, Heiliges wie Profanes.
Ab heute, Donnerstag, zeigt das Salzburger Museum der Moderne auf dem Mönchsberg die Ergebnisse von Rainers Beschäftigung mit Frauendarstellungen, mit Porträts und Aktfotografie, Bildnissen aus der Kunstgeschichte oder erotischen „cartes postales“ des frühen 20. Jahrhunderts. In Rainers Übermalungen von Frauenfotos kehrten Ekstase und Leidenschaft, Pose, erotische und sexuelle Erzählsprache wieder.
„Ich musste immer an dem arbeiten, was mich interessierte und beschäftigte, und wenn mich die Frauen bedrängten – innerlich nicht losließen – habe ich in meiner Arbeit mit ihnen kommuniziert“, sagt Arnulf Rainer am Mittwoch im SN-Gespräch.
Der Künstler hat kleine erotische Aufnahmen auf Flohmärkten gesammelt, FKK- und Strandbilder aus alten Magazinen genommen, einen Zyklus mit exotischen Frauen geschaffen. Die jüngste Serie aus von ihm 2008/09 fotografierten Aktbildern heißt „Fehlfotografien“. Im Zyklus „Frauensprache“ aus 1977 überarbeitete er Aktfotografien mit professionellen Modells, ein andermal verwendete er voyeuristisch anmutende „Schlüsselloch-Fotografien“, die in einem Stundenhotel entstanden sind. Sexuelle Handlungen, auch die Anwesenheit von Männern auf den Fotos hat Rainer übermalend „wegretuschiert“.
Bildinformation, die auf eine konkrete Handlung verweist, enthält er vor. Alles Augenmerk legt er auf Körperform und begleitende Linien, extreme Körperhaltungen und die Mimik, dennoch bleibt das Bewusstsein des indiskreten, heimlichen Blicks auf eine intime Situation. Arnulf Rainer überdeckt und verdeckt, mit signalisierendem Rot, mit neutralisierendem Grau oder auslöschendem Schwarz. Bunte Farbschleier in den jüngeren Arbeiten weisen auf Transzendenz, Poesie und Immaterialität hin. „Mir ging es nie um eine Szene oder eine Handlung, sondern um die Betonung eines Gesichts und seines Ausdrucks, um Körperkonturen“, sagt Arnulf Rainer. „Bilder sind für mich nicht zum Anschauen, sondern zum Verändern da.“ „Female“, bis 7. Februar. Weitere Aussagen Arnulf Rainers im SN-Interview sowie weitere Bilder unter www.salzburg.com/kultur




















