Der Linzer Maler und Kunstpädagoge Johann Wimmer hat uns und wohl auch sich selbst ein schönes Geschenk gemacht: einen sorgfältig konzipierten und kommentierten Bildband, der sein künstlerisches Schaffen aus fünf Lebensjahrzehnten dokumentiert.
Der Buchtitel „Mit der Zeit gegen die Zeit“ bezeichnet recht treffend Wimmers Haltung zu Kunst und Gesellschaft: „Den Puls der Zeit spüren, ohne sich vom Sog der Zeit mitreißen zu lassen.“
Tatsächlich war Wimmer nie ein Mann der modischen Trends. So aufmerksam er die Entwicklungsphasen der Kunst seit den sechziger Jahren auch beobachtet und überdacht hat, zur völligen Identifikation mit einer Zeitströmung fand er nie. Wie man Wimmers begleitendem Essay entnehmen kann, war er schon als Kind von der opulenten katholischen Bilderwelt seines bäuerlichen Umfelds fasziniert.
Klassische Moderne
1965-1969 studierte Wimmer in Wien und geriet in die wilden Jahre des Aktionismus, zu dem er aber in Distanz blieb. Ihm ging es um das Essentielle der Kunst, um die Frage, mit welchen künstlerischen Mitteln menschliches Wahrnehmen und Erleben adäquat dargestellt werden können und was das Kunstwerk zum intuitiven Verständnis der Welt beitragen kann. So ist es nicht verwunderlich, dass für Wimmer die Kunst der Klassischen Moderne zum ergiebigsten Studienfeld wurde. Obwohl der Künstler im Laufe der Jahrzehnte unterschiedliche Verfahrensweisen verwendet hat (u.a. Kohle, Federzeichnung, Aquarell), blieb „Öl auf Leinwand“ die dominante Technik.
Wimmer ist auch der Gegenständlichkeit treu geblieben. Und es sind zwei zentrale „Gegenstände“, die nie ihre Faszination eingebüßt haben: Landschaft und Mensch – oft auch in dialektischer Spannung. Insbesondere im letzten Abschnitt seines Essays setzt sich Johann Wimmer mit der Gegenwartskunst und ihrem kulturellen Kontext auseinander. Wimmer sieht die Gegenwartskunst vom ökonomischen Postulat „größer, höher, mehr und schneller“ getrieben: „überdimensionale Formate, Galerieräume und Museen sprengende Kunstobjekte, Megaevents, letzte landschaftliche Freiräume okkupierend.“ Demgegenüber hält Johann Wimmer am „konservativen“ Tafelbild fest und am zutiefst respektvollen Verständnis von Natur und Mensch. Nicht ohne Grund widmete er im letzten Jahrzehnt eine beeindruckende Bilderserie dem Thema Erotik, das er nicht in vordergründiger Weise präsentiert, sondern als Symbol des „Lebendigen“ interpretiert. (schach)