Die österreichische Beteiligung bei der Biennale in Venedig ist hoch
Manche mögen’s heiß
|
So stellt sich die Künstlergruppe Gelitin ihre Intervention im Arsenal vor. Foto: Gelitin
|
Von Christina Böck

Österreich-Pavillon mit Markus Schinwalds Labyrinth eröffnet Donnerstag.

Gelitin beheizen Glasschmelzofen im Arsenal.

Franz West erhält Goldenen Löwen.
Venedig.
Die spaßigen Aktionisten von Gelitin lassen sich auch die Kunstkarawane
in Venedig nicht entgehen. Ein ziemlich heißes Mitmach-Kunstprojekt
präsentieren sie während der Eröffnungstage der Biennale im Arsenal: Da
schmelzen sie in einem riesigen Ofen Altglas und lassen es dann auf die
Wiese fließen, wo eine große Glas-Pfützen-Skulptur entstehen soll. Und
jeder, der sein leeres Sanbitter- oder Campari-Flascherl mitbringt, darf
es auch reinschmeißen. Man kann aber auch, so die Künstlergruppe, als
Besucher nur "schön" sein.
Die österreichische Kunst ist bei der diesjährigen Biennale anständig
vertreten. Auch abseits des offiziellen Beitrags im
Österreich-Pavillon, der am Donnerstag eröffnet. Markus Schinwald hat
der Josef-Hoffmann-Architektur ein verstörendes Labyrinth eingepflanzt.
Wände, die von der Decke hängen, aber nur bis zum Bauchnabel reichen,
sollen die Unzulänglichkeit des Körpers deutlich machen. Schinwald fühlt
sich übrigens unwohl, wenn es um den Nationengedanken geht. Er habe
sich nie als österreichischer Künstler begriffen, sagte er in Interviews
im Vorfeld: "Ich bin sicher alles andere als ein österreichischer
Skifahrer."
Im dünnen Haus
Auch mitten in der Stadt kann man als Biennale-Tourist auf Landsleute
treffen. Direkt neben dem Palazzo Franchetti wird sich ein sehr
österreichisches Einfamilienhaus breitmachen – wobei, das ist in dem
Fall eindeutig das falsche Wort: Erwin Wurm hat sein Elternhaus, das er
schon für seine Ausstellung im Essl-Museum im Vorjahr zusammengequetscht
hat, in die Lagunenstadt übersiedelt. Die begehbare Skulptur ist Teil
der Ausstellungsreihe "Glass Stress", die Peter Noever kuratiert hat,
und in der noch ein weiterer Österreicher auftaucht: der Bildhauer
Michael Kienzer.
Die Kuratorin der Biennale, Bice Curiger, stellt heuer einen
berühmten Venezianer dem zeitgenössischen Kunsttreiben entgegen:
Tintoretto. Der österreichische Künstler Peter Baldinger zeigt als
Antwort darauf im Palazzo Ca’Zanadri seine in riesige Pixel aufgelösten
Tintoretto-Versionen.
Die größte Ehre der Kunstbiennale wird in diesem Jahr schließlich
auch einem Österreicher zuteil: Franz West erhält (zusammen mit der
Amerikanerin Elaine Sturtevant) den Goldenen Löwen für sein Lebenswerk.
Die Zeremonie findet bei der Eröffnung am Samstag statt. Zumindest er
kann sich dann zurücklehnen, er war schon 1990 als Vertreter Österreichs
bei der Kunst-Show dran.
Printausgabe vom Mittwoch, 01. Juni 2011
Online seit: Dienstag, 31. Mai 2011 18:43:00