| Die Sterne lügen nicht | |
NATOarts bieten Konzeptkunst aus allen 19 NATO-
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Wenn sich die NATO in ihren Mitgliedsländern nicht mehr nur um die Verteidigungs-, sondern auch um die Kunstagenden kümmert, wird es endgültig Zeit, dass auch das Kulturland Österreich dem Nordatlantischen Bündnis beitritt. Verheimlichter NATO-Bastard Durch den Webauftritt von NATOarts wird der Netizen vom vierzackigen NATO-Stern geleitet, der ordnungsgemäß auf allen Seiten prangt. Schließlich stellt sich das Projekt seit April 1999 als NATO-Tochter in der Kunstszene dar. Eine Ausstellung, die am 14. September im New Yorker Stadtteil SoHo begonnen hat, soll ihre bisherigen Aktivitäten präsentieren. Für jedes NATO-Mitgliedsland ein Kurator, Querverweise auf die Vertragstexte, in denen die Gründung von NATOarts festgelegt ist,... Man gibt sich wirklich Mühe, den Schein zu wahren und die britische Ausgabe des Esquire ist sogar darauf hereingefallen. Es lebe die Globalisierung! Wer die einzelnen Projekte genauer studiert, wird schnell schmunzeln müssen. Scott Lizamas Untersuchung der angeblich chemisch verunreinigten Donau geht ja vielleicht noch durch. Und gutgläubige Menschen könnten sogar noch die Tonreportage von Alexander Perls und Simon Break ernst nehmen. Die beiden waren "zur Unterstützung der Globalisierung" sieben Wochen auf einem Containerschiff von Yokohama nach Halifax unterwegs. Der Soundtrack findet sich übrigens auf der empfehlenswerten "Icebreaker International"-CD (Trein Maersk: A Report to the NATOarts Board of Direktors; It Records). Starke Reaktion Die Hintergrundgeschichte zum Orgelstück vom "Assistant Organist and Choirmaster at St. Paul's Church" Thomas Joyce zum Gedenken an einen Zwischenfall während des Falklandkrieges ist dann aber schon unglaublich - und unglaublich gut: Bei einem strategischen Joint-Venture zwischen Argentinien und der Sowietunion soll ein Störsender in der Antarktis installiert werden, um die britische Kommunikation unterbinden zu können. Dummerweise explodiert dabei ein transportabler Kernreaktor, was mehrere Menschen das Leben kostet. Natürlich werden sofort alle Spuren verwischt. Nicht die skurrilen Geschichten alleine, sondern erst das Zusammenspiel mit der formellen Sprache und dem vom Erscheinungsbild bis zur Argumentationslinie offiziellen Charakter machen die mehr als gelungene Persiflage aus. No Comment Dieses Bild wird mit bewundernswerter Konsequenz aufrecht erhalten. Im Interview darauf angesprochen, dass bei der NATO-Pressestelle niemand das Projekt kennt, mein Kurator Peter Rom: "Das ist eine innere Angelegenheit, die wir prinzipiell nicht kommentieren". Allerdings kann er sich nicht verkneifen darauf hinzuweisen, dass man die Presse ermutigen würde, bei der NATO nachzufragen, "damit diese die volle Bedeutung von NATOarts erkennt". Und was ist mit dem NATO-Vertragsartikel, den es so nicht gibt? "Da muss ich mit unseren Juristen Rücksprache halten." Woher nur kennt man dieses Spiel? Die NATO im Untergrund Die Location der Ausstellung kann erwartungsgemäß mit dem offiziellen Charakter der restlichen Präsentation nicht Schritt halten. Dafür beherbergt der Ziegelbau in SoHo sämtliche auf der Website angekündigten Projekte in Form von Installationen, die den Besucher die Kletterei in den Keller über die steile Metallstiege schnell vergessen lassen. Der rechte Weg Laut Peter Rom versuchen NATOarts "eine konservative Stimme in die internationale Szene der zeitgenössischen Kunst zu bringen" - würden sonst doch die meisten Künstler eine "eher linke Position einnehmen". Ob er glaubt, die Ausstellung würde etwas an der Einstellung der Besucher zur NATO verändern? "Absolut. Die Ausstellung zeigt die Ziele der NATO in einem Licht, die es auch jenen Leuten einfach macht, unsere Ideen zu verstehen, denen sie normalerweise vielleicht nicht zugänglich wären. Wir hoffen wirklich, durch den Kontakt mit der Kunst etwas transportieren zu können und den Leuten zu erlauben, die Dinge auf eine Art und Weise zu betrachten, die ihnen vorher nicht möglich gewesen wäre." |
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