Secession: Arbeiten von Ayse Erkmen, Trina Robbins u. a.
Illuminationen und "Everywoman's Comic"
Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer
"Kein gutes Zeichen" steht für Ayse Erkmen schon im Vorraum
der Secession ins Oval des Jugendstildekors durch eine Diaprojektion von
Kaffeeschaum auf einer Tasse ins Monumentale vergrößert geschrieben. In
der Türkei ist das Lesen von gutem und bösem Omen aus den Blasen wie dem
Satz bedeutend, und der Kaffee und Wien sind eine eigene Geschichte in
Bezug auf die positiven Reste der Türkenbelagerung. Deshalb hat die
Künstlerin aus Istanbul, die in Berlin lebt und in Frankfurt an der
Städelschule lehrt, die optische Ausweitung des Raumes bis 23. Juni ganz
speziell für hier konzipert. Ayse Erkmen geht in sehr subtiler und
fast minimalistischer Weise auf die Secession als erstem
White-cube-Kunstraum ein und hat - weil ihr der Entstehungsprozess ihrer
Eingriffe wesentlich ist - auch Kunststudenten (z. B. des Instituts von B.
Leitner an der Angewandten) dabei eingeladen. Sie hat die
Reinigungsmaschine der Glasdecke in eine bewegte und geräuschvolle
Lichtmaschine umfunktioniert, die in Rhythmen der Computereinstellung in
mehreren Abschnitten für die Besucher unten eine Art kathartische Wirkung
hervorruft. In den Seitenschiffen kontakariert sie mit zwei eigenen
Lichtbewegungen von Videokameras her, die abstraktes Filmmaterial mit den
Schatten der Metallgerüste im Glasdach verbinden. Vom Beginn der Kunst in
der Schattenlegende des Plinius über den Avantgardefilm am Beginn des 20.
Jahrhunderts bis zu heutigen komplex soziokulturellen und formalen
Konzeptansprüchen spannt sie alles in diese scheinbar kühle Intervention
ein, die auch wie ein Spiegel zum Aussenraum hin funktioniert. Es gelingt
ihr höchster Anspruch im Immateriellen. Ganz anders und optisch auf
kleinste Räume konzentriert, und doch zusammenhängend, zeigt sich die
Schau von 28 Comic-Künstlerinnen, die Trina Robbins für die Galerie und
das Grafische Kabinett zusammengebracht hat. Die sich selbst als
zornig-ironische Pop-Girl-Hero-Figur am Cover des Katalogs, in der Schau
und auf dem Plakat voranstellende Sammlerin, Zeichnerin und Herausgeberin
von Comics aus den USA legt großen Wert auf die Unterscheidung dieser
Kunstform im femininen Bereich. Die zahlreichen Bildgeschichten von
Frauen für Frauen wurden vom Grafikerteam Toledo i Dertschei an den Wänden
und auf Papierstößen statt - wie man es erwarten würde - auf Podesten
präsentiert und machen mit jeweils einer Seite von historischen und
heutigen Arbeiten in einer Art work in progress Lust auf ein längeres
Lese- und Schauvergnügen. Die alleinige Konzentration auf das
weibliche Geschlecht mit diesen beiden Ausstellungen in der Secession
folgt einem derzeit internationalen Trend, der die jahrhundertelange
männliche Dominanz in der Kunstszene durchbricht. An "Woman's Lib" lag es
indessen wohl nicht, auch wenn Trina Robbins in den sechziger Jahren zu
der Bewegung zählte, wohl schon eher an der fortschreitenden
Demokratisierung auch in Sachen Kunst.
Erschienen am: 05.06.2002 |
. |

Secession: Arbeiten von Ayse Erkmen, Trina Robbins u. a.
MAK: Arbeiten von Richard Artschwager
Quer durch Galerien
Jüdisches Museum: Arbeiten von Ernst Eisenmayer
Ottakringer Brauerei: "art position 2002" mit "junger Kunst"
Quer durch Galerien
Österreichisches Theatermuseum: "Jess Thomas in Wien"
Quer durch Galerien
Kunstforum der Bank Austria: Werke von Kurt Schwitters
Die Salzburger Pfingstfestspiel e 2002








|
. |