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04.12.2002 - Ausstellung
AUSGESTELLT IN WIEN von Florian Steininger


Galerie Feichtner & Mizrahi. Im derzeitigen Hoch der realistischen Malerei trifft man auf ein Überangebot von Positionen, die Narrativität und Jugendkultur thematisieren. Wenige jedoch schieben, wie Martin Schnur, die Malerei selbst in den Vordergrund, setzen sich mit essentiellen Aspekten des Tafelbildes auseinander. Oft genügt ein schnell dahingemaltes Bild, mit Reißnägeln an die Wand fixiert. Schnurs Gemälde dagegen sind dicht, trotz desselben inhaltlichen Tenors, für sich selbst stehend. Die Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Werk ist spürbar: das spontane Entwickeln der malerischen Textur trotz konkreter Vorgabe. Obwohl Schnur in der Ikonographie zeitgenössisch bleibt, sind seine Motive dennoch mit Sujets der Kunst- und Filmgeschichte verbunden. Dahingestreckte Figuren erinnern an Marsias oder den geköpften Holofernes. Melancholisch anmutende Mädchen deuten die Frauenrolle in Hollywoodfilmen wie James Bond oder Hitchcocks Vertigo an. (I., Seilerstätte 19; bis 21. Dezember)

Krinzinger Projekte. Man ist beinahe geneigt, sich von der Galerie vorzeitig zu entfernen, steht ja auf der Eingangstür "Bin Shopping". Diese bewußte Irritation klärt sich, wenn man das künstlerische Konzept von Eric van Lieshout erkennt. Ein begehbarer Tunnel aus Einkaufswagen windet sich durch den Projektraum, begleitet von Basarmusik. Dieses auf den Einkauf konzentrierte Werk kippt sogleich inhaltlich, indem der Künstler eine "politisch korrekte?" - so auch der Titel der Ausstellung - Anspielung auf Bin Laden tätigt. "Laden" heißt im Niederländische soviel wie Einkaufen. Der Tunnel mutiert dann zum unterirdischen Geheimversteck des Terroristen. Stark thematisiert in der Schau junger niederländischer Künstler wird die multikulturelle Situation ihres Landes: ein Hinterfragen der gesellschaftlichen Rolle des Mannes mit afrikanischen Wurzeln, religiöse Aspekte, oder ein imaginäres Museum für afrikanische Kunst werden präsentiert. Viele schräge Positionen, bei denen nicht Kunst als Kunst, sondern ausschließlich gesellschaftsbezogene Inhalte im Mittelpunkt stehen. (VII., Schottenfeldgasse 45; bis 14. Dezember)

Galerie Chobot. Michel Nedjar führt mit seinen feinen Papierarbeiten in die Welt des Archaischen, Expressiven und Unbewußten ein. Meist mit den Fingern gemalt, gestaltet der 1947 geborene Franzose seine wilden Menschenbilder und Tiere. Stets zweidimensional in dunkler Dichte erinnern sie ein wenig an die eindrucksvollen Arbeiten von Soutter und Dubuffet. (I., Domgasse 6; bis 21. Dezember).



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