 |
Galerie Feichtner & Mizrahi. Im derzeitigen Hoch der
realistischen Malerei trifft man auf ein Überangebot von Positionen, die
Narrativität und Jugendkultur thematisieren. Wenige jedoch schieben, wie
Martin Schnur, die Malerei selbst in den Vordergrund, setzen sich mit
essentiellen Aspekten des Tafelbildes auseinander. Oft genügt ein schnell
dahingemaltes Bild, mit Reißnägeln an die Wand fixiert. Schnurs Gemälde
dagegen sind dicht, trotz desselben inhaltlichen Tenors, für sich selbst
stehend. Die Auseinandersetzung mit jedem einzelnen Werk ist spürbar: das
spontane Entwickeln der malerischen Textur trotz konkreter Vorgabe. Obwohl
Schnur in der Ikonographie zeitgenössisch bleibt, sind seine Motive
dennoch mit Sujets der Kunst- und Filmgeschichte verbunden.
Dahingestreckte Figuren erinnern an Marsias oder den geköpften Holofernes.
Melancholisch anmutende Mädchen deuten die Frauenrolle in Hollywoodfilmen
wie James Bond oder Hitchcocks Vertigo an. (I., Seilerstätte 19; bis 21.
Dezember)
Krinzinger Projekte. Man ist beinahe geneigt, sich von
der Galerie vorzeitig zu entfernen, steht ja auf der Eingangstür "Bin
Shopping". Diese bewußte Irritation klärt sich, wenn man das künstlerische
Konzept von Eric van Lieshout erkennt. Ein begehbarer Tunnel aus
Einkaufswagen windet sich durch den Projektraum, begleitet von Basarmusik.
Dieses auf den Einkauf konzentrierte Werk kippt sogleich inhaltlich, indem
der Künstler eine "politisch korrekte?" - so auch der Titel der
Ausstellung - Anspielung auf Bin Laden tätigt. "Laden" heißt im
Niederländische soviel wie Einkaufen. Der Tunnel mutiert dann zum
unterirdischen Geheimversteck des Terroristen. Stark thematisiert in der
Schau junger niederländischer Künstler wird die multikulturelle Situation
ihres Landes: ein Hinterfragen der gesellschaftlichen Rolle des Mannes mit
afrikanischen Wurzeln, religiöse Aspekte, oder ein imaginäres Museum für
afrikanische Kunst werden präsentiert. Viele schräge Positionen, bei denen
nicht Kunst als Kunst, sondern ausschließlich gesellschaftsbezogene
Inhalte im Mittelpunkt stehen. (VII., Schottenfeldgasse 45; bis 14.
Dezember)
Galerie Chobot. Michel Nedjar führt mit seinen feinen
Papierarbeiten in die Welt des Archaischen, Expressiven und Unbewußten
ein. Meist mit den Fingern gemalt, gestaltet der 1947 geborene Franzose
seine wilden Menschenbilder und Tiere. Stets zweidimensional in dunkler
Dichte erinnern sie ein wenig an die eindrucksvollen Arbeiten von Soutter
und Dubuffet. (I., Domgasse 6; bis 21. Dezember).
© Die
Presse | Wien
|
 |