| Salzburger Nachrichten am 31. März 2003 - Bereich: KI
Leichentuch wegen Geruch von Ausstellung entfernt
In dem nun abgenommenen Leichentuch waren die Körper zehn verstorbener
Obdachloser gelagert gewesen. "Margolles hat immer gesagt, dass sich
starker Geruch entwickeln würde. Aber Geruch ist im Vornherein nicht
leicht zu messen", sagte Kunsthallen-Sprecherin Claudia Bauer. Obwohl der
abgesonderte Formalin-Dampf keine gesundheitsgefährdenden Ausmaße annahm,
"weiß man nicht, wie sich das ins Haus einfrisst. Es ist ja kein
abgeschlossener Raum, und daneben ist das Cafe", so Bauer. Die Kunsthalle zeigt in ihrer Dependance am Karlsplatz noch bis zum 4.
Mai Arbeiten der Künstlerin, die sich mit dem toten Körper auseinander
setzen. Margolles "transformiert vergangenes Leben über künstlerische
Interventionen in die Wahrnehmbarkeit und bringt es somit in das Leben der
Gesellschaft zurück", so der Begleittext zur Ausstellung. Anstelle des Tuches ist nun eine Videodokumentation mit Aufnahmen des
Leichentuches und Stellungnahmen von Besuchern, Journalisten und
Mitarbeitern der Kunsthalle, die "dem Geruch den ganzen Tag ausgesetzt
waren" (Bauer), zu sehen. Ein weiteres Ausstellungsobjekt ist das Video
"Banando el Bebe", auf dem zu sehen ist, wie die Künstlerin mit einem
toten Baby hantiert. "Eine für die Künstlerin sehr emotionale Arbeit. Wenn
sie darüber spricht, ist sie selber so gerührt, dass sie weint", meinte
Bauer. Margolles lebt in Mexiko City, wo der Tod und das Leben "einen ganz
anderen Stellenwert haben als bei uns", schildert Bauer. Die Mitarbeiter
des Hauses geben bei der Kassa und in der Ausstellung den Besuchern
begleitende Hinweise "auch der Psyche wegen", so Bauer. (Schluss) coo |