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Quer durch Galerien 8.8.2003

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Teddybär kuschelt nun zurück

Von Claudia Aigner

300 Jahre Wiener Zeitung!Pfui! Man nennt es, glaub' ich, "Unzucht mit Ausgestopften" (also, wie gesagt: pfui!). Oder heißt es vielleicht doch "Überschreitung der Aufsichtspflicht"? Denn gleich mit so viel körperlicher Hingabe auf einmal wird ein Teddybär ja normalerweise auch wieder nicht "beaufsichtigt", dieses weich ausgestopfte Wesen, das wegen dem Klammerreflex auf der Welt ist (wohlgemerkt: wegen dem kindlichen Klammerreflex). Der Arme kann sich gegen seine unbarmherzig erwachsene Puppenmutti ja gar nicht mehr wehren. Andererseits: Bei genauerer Betrachtung beruht die Libido eh auf Gegenseitigkeit. Für den Teddy von Deborah Sengl, der sich in einem Mosaik aus Steckperlen sehr hormonell vergnügt, gilt folglich die Unschuldsvermutung nicht mehr. Ergo: Eine Unschuld kann man ihm jetzt beim besten Willen nicht mehr nachsagen.
"Teddybär & Co.": Der Hilger (Dorotheergasse 5) treibt sich diesen Sommer (bzw. noch bis 21. August) im Plüschfell- und Knopfaugenmilieu herum. Aber nicht nur dort. Auch bei den Gummibärchen zum Beispiel. Anders ausgedrückt: "Haribo macht Kinder froh - und Erwachs'ne ebenso." Ein Schelm, wer dabei was Unanständiges denkt. Denn wenigstens der Haribo-Bär bleibt noch bei seinem Leisten, was ja nicht im entferntesten mit der Leistengegend zu tun hat. Sein Metier ist weiterhin bloß der Gaumenkitzel und kein anderer Juckreiz. Und er hat die plakativ aalglatte Persönlichkeit einer Suppendose von Campbell. Soll heißen: Bernhard Wolf hat sich keinen sichtbaren Pinselstrich zu Schulden kommen lassen, als er das Haribo-Bärli makellos porträtiert hat. Als wär's direkt vom Gummibärchensackerl zur kariesverwöhnten Menschheit herabgestiegen. Na gut, originell ist die Idee nicht mehr ganz. Spätestens seit dem Meister der Campbell-Tomatensuppe jedenfalls. Von Andy Warhol hängt übrigens ein blutdrucksenkendes Mittel da: ein Dracula. Die leicht bekömmliche Schau (in der sommerlichen Affenhitze verdunstet ohnedies jener Teil vom Hirn, der denkt) interessiert sich nämlich für vielerlei Mythen.
Apropos reinbeißen: Appetitlich im Sinne der Fleischeslust (freilich nicht, wie sie den Fleischhauer vor einem Schinken verheißenden Schweindl überkommt, aber ähnlich nackt und rosig) hat eine gut mit Sexappeal bestückte Maid auf dem Schoß eines Riesenteddys Platz genommen. In einem sinnlich duftigen Aquarell von Mel Ramos, der die Welt schon gewohnheitsmäßig mit Nackerpatzln garniert, wo dann prallbusiges Östrogen auf so etwas wie Gullivers Rhabarberkuchen sitzt und wo "Heldinnen der Oberweite" fetten, größenwahnsinnigen Zigarren die Sporen geben. Charmant frivol. Und Juan
Loeck hat die Mickymaus ein bissi aus der heilen Weltfremdheit vertrieben: Mickey ist vom Badeurlaub schwarz wie die Pechmarie zurückgekehrt. Kurz: Er hat einen Teint wie eine Ölpest.
In Israel vor die Tür zu gehen birgt ja tatsächlich ein hohes Verletzungsrisiko. Es ist also beinah nahe liegend, dass es dort jetzt sogar den Schmuck im Design des Verarztens gibt. Pflasterln aus Silber und zum Anstecken wie Orden, von Edda Vardimon Gudnason, die eine von den "Six Individual Voices" aus Israel ist, die bis 22. August bei V&V (Bauernmarkt 19) ihre ziemlich heimatverbundenen, kreativen Schmuckstücke herzeigen. In Vered Kamins-
kis berückend perfekte Broschen "schummelt" sich etwa der Davidstern ins Flechtmuster hinein. Esther Knobel hingegen gedenkt ihrer Großmutter mit der Stricknadel, weil sie von ihr, der Großmutter, die sie nie persönlich kennen gelernt hat, nicht viel mehr weiß, als dass sie gestrickt hat. Und strickt nun aus Kupferdraht fleißig Andenken. Vom Fingerhut bis zur Brosche.

Erschienen am: 08.08.2003

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