21.10.2003 17:15
Vom Sehen und Hören anonymer Botschaften
Regina Hübners hintergründiges Spiel mit Kommunikation - Foto
Es ist dunkel. Aus Lautsprechern dringen verfremdete Frauen -
und Männerstimmen. Man blickt auf sprechende Gesichter, ohne Worte zu hören. Man
liest Texte, die man niemand zuordnen kann. Es ist ein komplexes Werk, mit dem
Regina Hübner die Besucher ihrer Ausstellung verunsichert. Anonymus nennt sich
die Arbeit der 38-jährigen Kärntnerin, die derzeit in der Galerie der Stadt
Villach zu sehen ist. Zur Arbeit wurde sie durch den Tod einer Freundin
angeregt. Sie begann ich mit der Frage zu beschäftigen, "ob die eigene Existenz
dadurch fortdauert, daß sie in die Erinnerung anderer übergeht".
Hübner
bat 21 Personen, ihr persönliche Botschaften anzuvertrauen und hielt sie in Bild
und Ton fest. "Die physische Existenz eines Menschen ist keine Voraussetzung für
das Fortleben ihrer Gedanken", sinniert die Künstlerin. "Ich wollte den Gedanken
von der Zugehörigkeit zu seinem Autor und dessen Identität befreien". Die 21
Personen mußten sich also von ihren Botschaften trennen. Diese leben in Hübners
Arbeit weiter. Der Besucher begibt sich in dem von Stimmen,Gesichtern und
Wörtern belebten Raum auf spannende Spurensuche. Regina Hübner lebt als visual
artist in Rom, wo sie an der Akademie studiert hat. Ihre Arbeiten - meist
Rauminstallationen mit Videoprojekttion veruchen, die Grenzen der Kommunikation
auszuloten. Durch die optische oder akustische Verfremdung von Texten, Bildern
und Lauten zwingt sie den Besucher zur Reflexion über die eigene Wahrnehmung.
Zur Ausstellung ist ein 150-seitiger Katalog erschienen. (Gerhard
Mumelter)