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| 18.04.2006 - Kultur&Medien / Kultur News | ||
| Künstler-Rankings: Aufsteiger und Absteiger | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Wie und wer erstellt die "Hitlisten" der zeitgenössischen Kunst? | ||
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Seit über 30 Jahren war er praktisch konkurrenzlos, der
"Kunstkompass" des deutschen Wirtschaftsmagazin Capital. Jedes Jahr im
September begann das mehr oder weniger große Künstler-Zittern, wer von der
Journalistin Linde Rohr-Bongard innerhalb und wer außerhalb der Top-Ten
der Liste der "100 weltweit bedeutendsten Künstlern" gereiht wurde. In den
Siebzigerjahren entwickelte ihr Mann Willi Bongard das System des
Rankings, seit seinem Tod 1985 wertet sie die "Ruhmespunkte" alleine aus.
Das System wirkt recht simpel, Einzelausstellungen in
rund 200 Museen, Teilnahmen an 120 Gruppenausstellungen und Biennalen
sowie Rezensionen in internationalen Kunstmagazinen bringen Künstlern je
nach Renommee der Institution unterschiedlich viele Punkte, die in Summe
dann den "Rang" ergeben. Verkäufe und Marktwert bleiben hier unberücksichtigt -
genau wie bei dem 2001 gestarteten, privaten Londoner Internet-Anbieter
"artfacts.net", dessen Liste ebenfalls auf den Ausstellungsaktivitäten der
Künstler basiert. Für das Konzept beruft man sich hier auf die Theorie der
"Ökonomie der Aufmerksamkeit" von Georg Franck, die davon ausgeht, dass
Aufmerksamkeit (Ruhm, Beachtungsgrad) in der Kulturwelt einen ökonomischen
Faktor darstellt, der den Mechanismen des Kapitalismus folgt. Interessant die Unterschiede der beiden Listen, die sich vor allem daraus ergeben, dass Capital nur lebende Künstler listet, während "artfacts.net" die gesamte Moderne mit einbezieht. Während beim "Kunstkompass" also Gerhard Richter, Sigmar Polke, Bruce Nauman, Rosemarie Trockel und Louise Bourgeois die aktuellen Top fünf stellen (der erste von zwei gereihten Österreichern ist Franz West auf Platz zwölf, Arnulf Rainer liegt auf Platz 81), sind es bei "artfacts.net" Picasso, Warhol, Nauman, Richter 1932, Klee und Beuys. Franz West als erster Österreicher liegt auf Platz 51. Unschlagbar ist "artfacts.net" allerdings bei der
Vollständigkeit: Abgerufen werden können rund 65.000 Künstlerbiografien,
bis zum 100. Platz sind die zusätzlich angebotenen Grafiken, die die
Entwicklung des einzelnen Künstlers in einer langfristigen und einer
jährlichen Kurve anzeigen, sogar unentgeltlich abrufbar. Und auch mit
einem weiteren Vorteil scheint der Internet-Dienst zu punkten: Während
beim Kunstkompass eine Person einmal pro Jahr mehrere hundert
Institutionen auswertet, sind es bei "artfacts.net" einige tausende, die
von einer Maschine täglich aktualisiert werden. |
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