VN-SERIE: Zweiter Anlauf für die Vorarlberger Landesgalerie (Teil 5/5)
505 Künstler seit 1945 ohne Obdach
Die aktuelle Liste heimischer Kunstschaffender ist enorm. Doch wozu das Ganze?
CHRISTA DIETRICH
christa.dietrich@vn.vol.at, •72/501-225
Bregenz (VN)
Manches, was da zu Tage trat, habe sie selbst überrascht, bestätigt die
Kunsthistorikerin Susanne Fink. Sie war in den letzten Jahren
federführend bei der Erstellung eines Künstlerlexikons für Vorarlberg
tätig. Mitte November wird es präsentiert. Selbst wer
großzügig kalkuliert, kommt vermutlich nicht auf die Zahl 505, wenn es
festzuhalten gilt, wie viele Künstler nach 1945 aus und in Vorarlberg
tätig sind und waren. So viele listet das Lexikon aber auf. Bei der
Grenzziehung war ein Team um Rudolf Sagmeister, Kurator im Kunsthaus,
Wolfgang Fetz, Kulturamtsleiter von Bregenz, oder Wilhelm Meusburger,
Präsident der Künstlervereinigung, beratend tätig. Wer ein Kunststudium
absolviert hat, ist automatisch auf der Liste, ansonsten waren
grundsätzliche Qualitätskriterien ausschlaggebend. Sie wurden weit
gefasst. Inwieweit eine derart umfangreiche Liste hilfreich bei der
Konzepterstellung für das Landesmuseum sein kann (dem ersten Ort, der
den Künstlern sozusagen wirklich Obdach bietet), wird in den nächsten
Wochen zu diskutieren sein. Schließlich beginnt die Vorarlberger Kunst
ja im Mittelalter. Internet-Präsenz folgt
Werner Grabher,
Leiter der Kulturabteilung des Landes, sieht den diesbezüglichen
Informationsgehalt des Buches gegeben. In Künstlerkreisen heißt es,
dass aufgrund der hohen Zahl jeder dabei ist, der einen Pinsel halten
kann, die Auflistung
also weniger Nutzen bringt. Auf veraltete Methoden der Dokumentation
angesprochen, versichert Grabher, dass eine Internet-Präsenz folgen
wird. Feldkirch könnte wieder vorne sein
Vor etwa zwanzig
Jahren hat sich die Stadt Feldkirch in Sachen Landesgalerie
hervorgetan. Mit der Landeshauptstadt Bregenz und dem Land Vorarlberg
kam es schließlich zu einem Tauschhandel. Das Konservatorium in Bregenz
wurde geschlossen, Feldkirch sollte der einzige Ort der
Musikerausbildung auf diesem Niveau sein. In Bregenz wurde dem Land ein
Grundstück zur Errichtung einer Landesgalerie zur Verfügung gestellt.
Der Rest der Geschichte ist bekannt. Aus der Landesgalerie wurde ein
Kunsthaus mit internationaler Ausrichtung. Ein echter Ort
der Auseinandersetzung mit Kunst aus Vorarlberg und der Region könnte
sich nun im Zuge des Ausbaues des Vorarlberger Landesmuseums ergeben. Am Bahnhofsareal
In Feldkirch ist
der ehemalige Ehrgeiz aber noch nicht erloschen. In Künstler- und
Kunstvermittlerkreisen diskutiert man über die Einrichtung einer
Landesgalerie bzw. Vorarlberg-Kunsthalle im Bahnhofsareal, wo es leer
stehende Gebäude gibt. Das Gebiet zwischen dem Bahnhof und dem Zentrum
ist ohnehin ein wesentliches Thema städteplanerischer Überlegungen. ##Christa Dietrich-Rudas##
Standort einer Landesgalerie könnte auch das Feldkircher Bahnhofsareal sein. (Foto: ÖBB)
Ruth Schnell zählt zu den Aushängeschildern der Kunstszene. Sie hat es bis zur Fassade des Kunsthauses gebracht. (Foto: KUB)
Natürlich stößt man im Zuge einer solchen Arbeit auf Künstler, von denen man vorher noch nie etwas gehört hat.
SUSANNE FINK
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