VN Sa, 11.11.2006

Politik
Lokal
Sport
Markt
Kultur
Magazin
Welt

Chronik
Leserbriefe
Motor
Gesundheit
Wohnen und Leben

Karriere
Reise
Bücher
Wissen u.Technik
VN-Heimat

Anzeigen
eVN.vol.at
eVN-Offline

Leser
werben Leser






Kultur 

Kopf aus dem Sand strecken

Die Galerie "aller-Art" in Bludenz zeigt Videoinstallationen von Alexandra Ranner.

ARIANE GRABHER

Bludenz (VN) "Eine Zigarette wäre ganz gut", tönt es aus dem Stimmengemurmel. Kurz nach dem Ton kommt das Bild und schon steht man einigermaßen überrascht mitten in der jüngsten Videoinstallation von Alexandra Ranner. "April", so der Titel des 14-minütigen Films, wurde vom Verein allerArt mitproduziert und -finanziert und ist nach Stationen in Deutschland nun in der Galerie allerArt in der Remise Bludenz zu sehen.

Ameisen und Gewitter

Was sich zunächst von außen nach Stammtischgeplänkel und lockerer Runde anhört, verkehrt sich im abgeschirmten Inneren des eigens errichteten Raumes ins Gegenteil: In öder, wüstenartiger Hügellandschaft ragen Männerköpfe aus dem Sand. Hilflos, bewegungslos, bleibt ihnen in der klaustrophobisch beengenden Situation allein die Sprache und die Mimik des Gesichtes, um sich zu verständigen. So nimmt ein ganz normaler Tag mit all seinen Widrigkeiten seinen Lauf: Dazu zählen krabbelnde Ameisen, ein aufziehender Sturm und Gewitterregen, der auf die schutzlos ausgelieferten Köpfe prasselt. Zwischen Erinnerung und Hoffnung schwelgend, kommt es in der kleinen Schicksalsgemeinschaft wider Willen zu verbalenAuseinandersetzung, aber auch zu Solidarisierung. Die Ausweglosigkeit der Situation wird durch tragisch-komische Momente gebrochen. Statements der Protagonisten wie "Sex findet im Kopf statt" sind an Ironie kaum zu überbieten.

Die Frage ausklammernd, was der Situation vorausgegangen ist, befasst sich Alexandra Ranner in ihrer Videoinstallation vielmehr mit Seinszuständen. Auf Gedeih und Verderb einander, vor allem aber sich selbst ausgeliefert, bezieht sich der Titel "April" ganz banal aber zielgenau auf die schnellen Wetter- und Stimmungswechsel.

Puppen

Während der Ton die komisch-beklemmende Dramaturgie unterstützt - das nach Filmende erklingende "Guten Abend, gute Nacht" ist kein wirkliches Happy End - kommt die zweite Inszenierung der Künstlerin ganz ohne Sound aus. Durch einen Sehschlitz in einem hölzernen Gehäuse zu betrachten, zeigt der kurze Videoloop "Tanz" einen Mann mit einer Puppe. Wenn der Tanz unversehens in Gewalt übergeht, thematisiert Alexandra Ranner auch in dieser Arbeit die Gleichzeitigkeit emotionaler Zustände. Leicht gebückt, durch den Sehschlitz lugend, wird der Betrachter zum Voyeur. Zur ambivalenten Grundstimmung des Films gesellen sich unsere Vermutungen über das ungleiche Paar.

Inhaltlich gut aufeinander abgestimmt zeigt Alexandra Ranner zwei Videoarbeiten, die der Schwere Leichtigkeit und Witz abgewinnen und trotz der Ernsthaftigkeit ihrer Themen einfach nur Spaß machen zum Anschauen.

Die Ausstellung ist in der Galerie allerArt, Remise Bludenz, bis zum 17. De zember zu sehen, geöffnet Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag 15 bis 18, Donnerstag 16 bis 20 Uhr.

ZUR PERSON

Künstlerin Alexandra Ranner Geboren: 1967 in Osterhofen Ausbildung: Kunstakademien in München und Karlsruhe Laufbahn: Ausstellungen u. a. in München, Mannheim, Bozen, Venedig Auszeichnungen: Bayerischer Staatspreis, Förderpreis der Stadt München Wohnort: Berlin

Arbeit von Ranner: Kopf im Sand, oder findet da überhaupt noch Sex statt? (Foto: Alexandra Ranner)




Kultur 

Zum Seitenbeginn