Kopf aus dem Sand strecken
Die Galerie "aller-Art" in Bludenz zeigt Videoinstallationen von Alexandra Ranner.
ARIANE GRABHER
Bludenz (VN) "Eine
Zigarette wäre ganz gut", tönt es aus dem Stimmengemurmel. Kurz nach
dem Ton kommt das Bild und schon steht man einigermaßen überrascht
mitten in der jüngsten Videoinstallation von Alexandra Ranner. "April",
so der Titel des 14-minütigen Films, wurde vom Verein allerArt
mitproduziert und -finanziert und ist nach Stationen in Deutschland nun
in der Galerie allerArt in der Remise Bludenz zu sehen. Ameisen und Gewitter
Was sich zunächst
von außen nach Stammtischgeplänkel und lockerer Runde anhört, verkehrt
sich im abgeschirmten Inneren des eigens errichteten Raumes ins
Gegenteil: In öder, wüstenartiger Hügellandschaft ragen Männerköpfe aus
dem Sand. Hilflos, bewegungslos, bleibt ihnen in der klaustrophobisch
beengenden Situation allein die Sprache und die Mimik des Gesichtes, um
sich zu verständigen. So nimmt ein ganz normaler Tag mit all seinen
Widrigkeiten seinen Lauf: Dazu zählen krabbelnde Ameisen, ein
aufziehender Sturm und Gewitterregen, der auf die schutzlos
ausgelieferten Köpfe prasselt. Zwischen Erinnerung und Hoffnung
schwelgend, kommt es in der kleinen Schicksalsgemeinschaft wider Willen
zu verbalenAuseinandersetzung, aber auch zu Solidarisierung. Die
Ausweglosigkeit der Situation wird durch tragisch-komische Momente
gebrochen. Statements der Protagonisten wie "Sex findet im Kopf statt"
sind an Ironie kaum zu überbieten. Die Frage
ausklammernd, was der Situation vorausgegangen ist, befasst sich
Alexandra Ranner in ihrer Videoinstallation vielmehr mit
Seinszuständen. Auf Gedeih und Verderb einander, vor allem aber sich
selbst ausgeliefert, bezieht sich der Titel "April" ganz banal aber
zielgenau auf die schnellen Wetter- und Stimmungswechsel. Puppen
Während der Ton die
komisch-beklemmende Dramaturgie unterstützt - das nach Filmende
erklingende "Guten Abend, gute Nacht" ist kein wirkliches Happy End -
kommt die zweite Inszenierung der Künstlerin ganz ohne Sound aus. Durch
einen Sehschlitz in einem hölzernen Gehäuse zu betrachten, zeigt der
kurze Videoloop "Tanz" einen Mann mit einer Puppe. Wenn der Tanz
unversehens in Gewalt übergeht, thematisiert Alexandra Ranner auch in
dieser Arbeit die Gleichzeitigkeit emotionaler Zustände. Leicht
gebückt, durch den Sehschlitz lugend, wird der Betrachter zum Voyeur.
Zur ambivalenten Grundstimmung des Films gesellen sich unsere
Vermutungen über das ungleiche Paar. Inhaltlich gut
aufeinander abgestimmt zeigt Alexandra Ranner zwei Videoarbeiten, die
der Schwere Leichtigkeit und Witz abgewinnen und trotz der
Ernsthaftigkeit ihrer Themen einfach nur Spaß machen zum Anschauen. Die Ausstellung
ist in der Galerie allerArt, Remise Bludenz, bis zum 17. De zember zu
sehen, geöffnet Mittwoch, Freitag, Samstag, Sonn- und Feiertag 15 bis
18, Donnerstag 16 bis 20 Uhr. ZUR PERSON
Künstlerin
Alexandra Ranner Geboren: 1967 in Osterhofen Ausbildung: Kunstakademien
in München und Karlsruhe Laufbahn: Ausstellungen u. a. in München,
Mannheim, Bozen, Venedig Auszeichnungen: Bayerischer Staatspreis,
Förderpreis der Stadt München Wohnort: Berlin Arbeit von Ranner: Kopf im Sand, oder findet da überhaupt noch Sex statt? (Foto: Alexandra Ranner)
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