Gironcoli schonte sich nie. Die giftigen Dämpfe der von ihm verwendeten Materialien hatten ihm arg zugesetzt. Nicht erst seit seinem Antreten 2003 auf der Biennale in Venedig, wo er bereits gesundheitlich angeschlagen gewesen war, fürchtete man um ihn.
Er war ein großer Einzelgänger, seine riesigen Objekte, in denen Alltagsgegenstände, Babyfiguren und Naturzitate wie Kornähren oder Edelweiß symbolbeladene Arrangements bildeten, waren unverkennbar und schwer zu übersehen – wegen ihrer Wirkung und wegen ihrer Größe.
Bis 2004 leitete Gironcoli die Meisterschule für Bildhauerei der Akademie der bildenden Künste in Wien, der er seit 1977 als Nachfolger von Fritz Wotruba vorstand. Auf Schloss Herberstein gibt es seit 2004 das Gironcoli Museum, das 35 seiner riesigen Skulpturen beherbergt. Ebenfalls 2004 entstand die öffentlich zugängliche Privatsammlung Gironcoli-Kristall als Dauerpräsentation mit neun Polyesterplastiken im Wiener Strabag-Haus.
Bruno Gironcoli, am 27. September 1936 in Villach geboren, wuchs in Kärnten und Tirol auf. 1951 begann er in Innsbruck eine Goldschmiedelehre, seiner Gesellenprüfung folgte die künstlerische Ausbildung. Von 1957 bis 1959 sowie 1961/62 studierte er an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, anschließend hielt er sich in Paris auf, wo er in der Arbeit von Alberto Giacometti den wichtigsten künstlerischen Impuls für sich entdeckte.
Schuhe und Besteck
In den 60er Jahren experimentierte Gironcoli mit den Materialien Holz, Nylon, Eisen, Aluminium, Glas-Pech und Draht. 1968 folgte seine erste Einzelausstellung in der Galerie nächst St. Stephan. In den siebziger Jahren schuf er Objektarrangements aus Gegenständen des täglichen Lebens wie Schuhe, Besteck oder Steckdosen. Gironcoli damals: „Ich versuche Gebilde zu erzeugen, die menschliche Umrisse zeigen, sozusagen eine Art Rechtfertigung für die Existenz dieser Beschäftigung.“
Er verdichtete seine Objektarrangements zu assemblageartigen Skulpturen mit barockem Symbolismus. Die mit Metallfarben bemalten Objekte erinnern an maschinenartige Altäre, an fantastische Raumschiffe oder an Streitwägen, die Leidenschaften transportieren. Wiederkehrende Themen: das Weibliche, Geburt, Sex, der Mann, Religion, das Scheitern und der Tod.
Große Einzelausstellungen waren wegen der Größe der Objekte rar. Allein die Anlieferung von 16 Skulpturen innerhalb Wiens für die Ausstellung „Die Ungeborenen“ 1997 (Museum für angewandte Kunst) erfolgte über 14 Nächte in Spezialtransportern. 2009 wies die Wiener Galerie Chobot in einer Schau von Zeichnungen und Siebdrucken auf einen kaum bekannten Aspekt in Gironcolis Schaffen hin.