| Salzburger Nachrichten am 21. Jänner 2006 - Bereich: Kultur
Die Kraft des Anfangs Das Museum der Moderne
auf dem Mönchsberg ist neu bestückt. Auf zwei von drei Stockwerken glänzt
die Sammlung Lenz Schönberg mit den "Zero"-Künstlern.
KARL HARBSALZBURG (SN). Vor zwanzig Jahren hat der als "Nagelkünstler"
berühmt gewordene Günther Uecker in Salzburg Arbeiten aus der Sammlung
Lenz Schönberg in einer einzigartigen Schau inszeniert: Im damals gerade
entkernten Stadtkino, das noch weit vom heutigen "republic" entfernt war,
wurde die Schau zu einem unvergessenen sinnlichen Erlebnis im Wechselspiel
von Kunst und Raum. Nun kommen Werke und Künstler der 1957 gegründeten "Zero"-Bewegung
wieder hierher. Heute, Samstag, wird im Museum der Moderne die Ausstellung
"Zero - Künstler einer europäischen Bewegung" eröffnet. Auf zwei von drei
Stockwerken - das erste ist Präsentationen der Batliner-Sammlung ("kosmos
und konstruktion") und der iranischen Künstlerin Shirin Neshat
vorbehalten, über die gesondert zu berichten sein wird - glänzen Ikonen
einer Kunst des Aufbruchs und Neubeginns. Agnes Husslein hat den Sammler
und "seine" Künstler eingeladen, und dem neuen Museumschef Toni Stooss
fällt gleich am Beginn seiner Arbeit ein Glanzstück in den Schoß. Vor rund 50 Jahren trafen sich in Düsseldorf im Atelier von Otto Piene
junge Künstler zu "Abendausstellungen". Sie waren fasziniert von den
Möglichkeiten der puren Farbe, von Monochromie und nicht-gegenständlicher
Kunst, vom Prinzip der Serialität, mit deren Hilfe man ein Motiv bis ins
Unendliche fortspinnen kann, von kinetischen Objekten, die filigran mit
Bewegung, Licht, Schatten "zeichnen" können. Anreger gab es in Europa etwa bei Lucio Fontana, der seinen Bildern
sichtbare Schnitte, Perforationen, Verletzungen zufügte, bei Yves Klein
und seinem unnachahmlichen Blau, bei Arman, der Alltagsgegenstände zu
Skulpturen umformte. In diesem Sinne entdeckte Gotthard Graubner das Eigenleben der Farbe.
Wie weiche Kissen wölben sich seine großformatigen Bilder aus der Wand,
sie leuchten und strahlen mit intensiver und dennoch poetischer Kraft,
geben den Farben Raum und Körper und zugleich einen Hauch von
Unendlichkeit, als ob man sich in einem Kosmos bewegte. Roman Opalka schreibt seit 1965 auf stets gleich großen Leinwänden, von
1 an, dicht an dicht die fortlaufenden Zahlen, so lange, bis der Pinsel
wieder neu getränkt werden muss, und auf einem Malgrund, der von Bild zu
Bild von Schwarz immer heller, weißer wird. Opalkas Raum im Museum der
Moderne übt eine stille, aber intensive Suggestion aus. Adolf Luther mit seinen Spiegelobjekten, Heinz Mack mit seinen
Lamellen- oder Lichtreliefs, Günther Uecker mit seinen immer wieder neu
faszinierenden Nagelbildern (in die am Freitag bei der Pressepräsentation
zudem noch die einstrahlende Sonne feine Lichtstreifen zeichnete), Jef
Verheyens nur vermeintlich monochromen, innerhalb der gewählten Farbe aber
hochdifferenzierten Leinwände geben einen famosen Überblick über eine
Avantgarde, die auch fünfzig Jahre nach ihrem Aufbruch nicht
verblasst. Die "neutralen" Räume des Museums bieten den Bildern und Objekten
perfekten Raum zum Atmen. Die Arbeiten verströmen eine große Ruhe und
entfalten so, was der Sammler zu Recht "Spiritualität" nennt. Die
Ausstellung, die auch aus österreichischer Sicht mit Bildern von Arnulf
Rainer und Meditationssteinen von Karl Prantl präzise bestückt ist,
fordert einen gleichermaßen spielerisch-bewegten wie konzentrierten Blick.
Sie schreit nicht auf, stellt "sich" nicht aus, sondern zählt auf die
stille Intensität der Bild-Wirkung. Damit zeigt sich auch die Konsequenz
der Sammlung selbst, die seit vierzig Jahren nicht nur den
gruppendynamischen Prozess der "Zero"-Künstler mitverfolgt, sondern
tatsächlich eine "europäische Bewegung" spiegelt. Kunst sei kein Luxus, sagt Gerhard Lenz, der seinen ungefähr
gleichaltrigen Künstlerfreunden mit seiner Sammlung seit vier Jahrzehnten
"Heimat" gibt. "Kunst ist ein Lebensgefühl, Konzentration,
Herausforderung." Die brillante Präsentation im Salzburger Museum der
Moderne gibt davon eine wunderschöne Vorstellung.Museum der Moderne,
Mönchsberg, bis 26. März. www.museumdermoderne.at |