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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
04. April 2008
18:56 MESZ
Foto: APA/Techt
Josef Mikl ist 78-jährig einem Krebsleiden erlegen.

Josef Mikl 1929 – 2008
Begräbnis fand gestern im engsten Familienkreis statt - Eine der prägenden Persönlich­keiten der österreichi­schen Kunst nach 1945

Wien – Josef Mikl ist tot. Der österreichische Maler erlag vergangenen Samstag in Wien einem Krebsleiden. Auf Wunsch des Künstlers wurde die Nachricht von seinem Ableben erst nach dem Begräbnis veröffentlicht. Mikl wurde letzten Donnerstag am Döblinger Friedhof im engsten Familienkreis zu Grabe getragen. Josef Mikl wurde am 8. August 1929 in Wien geboren. Nach dem Besuch der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt studierte er bis 1955 Malerei bei Josef Dobrowski an der Akademie der bildenden Künstler in Wien.

Nach ersten auch internationalen Erfolgen seiner Abstraktion – Mikl wurde 1964 zur dritten documenta nach Kassel eingeladen und vertrat Österreich 1968 bei der Biennale von Venedig – sollte er schon 1969 als Professor ins Haus am Schillerplatz zurückkommen. Josef Mikl führte seine Meisterklasse für Malerei bis 1997.

Mikl, eine der prägenden Figuren der österreichischen Malerei nach 1945, kam 1951 zum legendären Wiener Artclub und setzte 1955 ein markantes Zeichen im tristen, der Moderne gegenüber nicht eben aufgeschlossenen Nachkriegsösterreich. Gemeinsam mit Wolfgang Hollegha, Markus Prachensky und Arnulf Rainer gründete er die Künstlergruppe "Galerie St. Stephan". Die Räume in der Grünangergasse wurden unter der Leitung von Monsignore Otto Mauer zu einer der Keimzellen der österreichischen Avantgarde. Mikl selbst ist aber Einzelgänger geblieben und war zeitlebens bemüht, sich nicht unter bestimmten Ismen vereinnahmen zu lassen. Ob seine Malerei nun als informell oder gestisch abstrakt gesehen werden wollte, war ihm egal. Wichtig war ihm lediglich der Bezug zum Realen, zur Welt. "Gegenstandslos" konnte er sich keine Kunst vorstellen.

Es bräuchte immer den Bezug zur Natur, zur Landschaft, in der das Individuum als Figur sich zurechtfinden muss. Diese Figuren – quasi Prototypen von Existenz – dienten ihm stets als Ausgangspunkt seiner sehr malerischen, das Gestische mit einem delikaten Endresultat zu versöhnen trachtenden Bilder.

Einem Brand verdankte Josef Mikl seinen größten Auftrag: 1997 wurden seine Decken im wiederaufgebauten großen Redoutensaal der Wiener Hofburg enthüllt. Ein riesiges Deckengemälde und 22 Einzelbilder sind literarischen Figuren und österreichischen Autoren gewidmet. Farblich dominiert wie so oft bei Josef Mikl auch hier ein kräftiges Rot.

Mit diesem Auftrag ist Josef Mikl, dessen Arbeiten in allen wesentlichen öffentlichen Sammlungen Österreichs vertreten sind, auch ins Bewusstsein einer breiten Öffentlichkeit getreten. Wolfgang Schüssel sieht in Mikls Gestaltung des Redoutensaales "die Verbindung von Alt und Neu, von Repräsentation und Eigenständigkeit, die auch jene, die ihn nicht kannten, auf sein Lebenswerk neugierig macht".

Wolfgang Schüssel kannte Mikl gut: "Er ist für mich einer der wichtigsten Exponenten der österreichischen Nachkriegskunst, kreativ, geistreich, mutig."

Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: "Mit Josef Mikl verliert Wien einen seiner wichtigsten bildenden Künstler, eine Schlüsselfigur der österreichischen Kunstgeschichte. Josef Mikls Arbeiten waren visionär, experimentell und der Zeit weit voraus. Die Verleihung des Ehrenringes der Stadt Wien an Josef Mikl im Jahr 2004 war symbolische Auszeichnung seiner Bedeutung." (Markus Mittringer, DER STANDARD/Printausgabe, 05/06.04.2008)


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