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Kunstberichte

Galerien live

Zeugt her eure Zungen!

Aufzählung (cai) 5x1= 5. Stimmt. Obwohl: Sonderlich originell ist die Rechnung ja nicht. Diesmal ist beim Projekt "curated by" (ein Kurator fällt gleich über ein paar Galerien auf einmal her) eben simple Arithmetik rausgekommen. Fünf Galerien, fünf Künstler. Dafür ist der Titel, den Jerome Sans gewählt hat, sehr poetisch: "From Europe to Asia and back, again. Living in a suitcase." Geht’s da um Marco Polo? Nein.

Jeder von den fünf Künstlern kommt jedenfalls von einem andern ... nein, falsch! Die kommen bloß von vier Kontinenten. Das ist wiederum ein bissl ungerecht. Unfaire Mathematik. Na ja, Künstler sind eh "interkontinental". Wie auch immer, Europa liegt am Donaukanal. Oder gleich ums Eck. Bei Bleich-Rossi (unweit des Kanals) stellt nämlich ein Belgier aus. Ein Performer, Zeichner und Installateur (äh, er macht halt auch Installationen). Ein Backofen kann schlappen Teig in Kuchen verwandeln, doch die Vorrichtung von Jan Lauwers macht aus einem ganz normalen Menschen einen .. . Trottel! Tschuldigung: ein Kunstwerk. Sogar ein kinetisches. (Oder einen kinetischen Trottel .) Man steckt den Kopf in eine Glasvitrine, fährt den Imponiermuskel aus (die Zunge), während draußen eine Gummizunge zuckt. Bäh!

Lauwers’ direkte Art, mit Materie umzugehen, hat durchaus ihren Charme und die Zeichnungen (die Erotik wird von infantilen Fantasien brutal attackiert) beweisen, dass er zumindest kein Dilettant ist. Doch dann muss er wo hinkritzeln: "Donald Duck, Donald Judd, Donald Fuck." Na echt reif. Duck (die Ente), Judd (der Künstler) und Fuck (der Pfuigack) sind wohl nicht wie Tick, Trick & Track. Den F. findet man sicher nicht in Entenhausen. Eher auf der Tür einer Herrentoilette. Halt: Den gibt’s ja doch ! Ein Techno-Musiker! (Ist trotzdem kein mildernder Umstand.)

Galerie Bleich-Rossi
(Dominikanerbastei 19)
curated by_ jerome sans
Bis 6. Juni
Di. – Fr.: 12 – 18 Uhr
Sa.: 11 – 15 Uhr

Das gestreifte Wunder

Aufzählung (cai)Südamerika ist jetzt bei uns. Im ersten Bezirk. Ganz Südamerika? Nein, aber immerhin ein Chilene. Francisco Valdès. (Galerie Feichtner.) Den Dämonen-Schocker "Der Exorzist" hätte er natürlich einfach auf DVD brennen können. Doch eventuell war ja der Kopierschutz nicht zu überlisten und drum hat er eine ausgewählte Szene Bild für Bild abgezeichnet und in einen dramatisch flackernden Zeichentrickfilm übersetzt. Ach was, er hatte sicher ästhetischere Gründe. Der Titel ist rätselhaft: "Reagan, 1973." Das besessene Mäderl heißt doch Regan (mit nur einem A) und der Kerl da ist eindeutig Max von Sydow und nicht Ronald Reagan (der der Menschheit dauernd den Kommunismus austreiben hat wollen). Ein optisches Wunder vollbringt Valdès ebenfalls. Auf Bildern, die lediglich aus abstrakten Streifen bestehen, tritt aus einiger Entfernung ungemein plastisch der Helm von einem Klonkrieger aus "Star Wars" hervor. Gut, aus den unscheinbaren Rillen einer Schallplatte kommt ja auch plötzlich Beethovens Neunte heraus.

Galerie Feichtner
(Seilerstätte 19)

Der Bananen-Blues

Aufzählung (cai)Ich öffne also die Tür und bin in Afrika. In einer lustig gemusterten Kulisse. Weil Barthélémy Toguo (aus Kamerun) aus der Galerie Mauroner ein Ornamentidyll gemacht hat. Den Boden hat er mit Bananenschalen, äh: -schachteln ausgelegt (aha, der "Bananenkontinent"). Vier Betten stehen herum, mit Moskitonetzen. Büsten von Jesus und einem Papst (mit kondomverächtlichem Blick?). Beim Kofferberg im Eck fühlt man sich ja ein bissl unbehaglich. Und symbolisieren die Kleiderhaufen die Aids-Toten? Denn Toguo reagiert mit dieser einprägsamen Bühne auf den Kondom-Sager von Benedikt XVI. (die Verteilung von Kondomen könne das Aidsproblem nicht lösen, im Gegenteil). Afrika als "fröhlich" bunte Aidsstation? Na ja, einen Dekor aus Verhüterlis hat er sich eh verkniffen. (Die beiden letzten Galerien: nächste Woche.)

Galerie Mauroner
(Weihburggasse 26)

Printausgabe vom Mittwoch, 03. Juni 2009

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