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Kunstberichte
Kunsthalle Krems: Franz Grafs musikalische Zeichen- und Installationswelt

Schönheit trifft Verfall

Franz Grafs Schwarzweiß-Zeichnung "Madonna" aus dem Jahr 1997. Foto: Mumok/Lisa Rastl

Franz Grafs Schwarzweiß-Zeichnung "Madonna" aus dem Jahr 1997. Foto: Mumok/Lisa Rastl

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Aufzählung Er durchbricht alle Kunstgrenzen mit seinem vielstimmigen Schwarz-Weiß: Franz Graf – geboren 1954 in Tulln und heute wohl einer der prominentesten Bewohner des Waldviertels.

Er gastiert in der Kunsthalle Krems mit "Schwarz heute jetzt habe dass schon fast vergessen" – einer Werkübersicht von 30 Jahren, die mithilfe seiner Sammler in der Galerie und einer Bühneninstallation in der zentralen Halle zustande kam. Sein "Sprechen wie ein polyphoner Synthesizer" ist so splitterhaft in der Botschaft wie das Nicht-Verweilen in einem festgelegten Kunstfeld. Graf, ehedem Schüler von Oswald Oberhuber, lässt immer schon gerne andere Künstler mit partizipieren, in Krems ist es die Kollaboration im Musikalischen mit Franz Pomassl und isländischen Sound-Performer-Gruppen.

Poesie als eine assoziative Kette

Dazu trifft sich konkrete Poesie mit einem Blick auf Jugendkulturen der letzten Jahrzehnte, ein wenig Horrortrip der Gothic-Szene, Rock und Punk, aber vor allem statt Askese im Farblosen eine subkulturelle Sammlung an Ornamenten, die zuweilen auch ethnografisch an die frühzeitliche Körpertätowierung erinnern. Einige Tupfen Geschichte, viele archetypische Codes, dazu Poesie als assoziative Kette – wie ein gezeichneter Ulysses-Roman ohne Ende.

Schönheit trifft Verfall und positioniert sich zwischen Sprachsymbolik, Zeichen – alles kann zur Wandmalerei oder apokalyptisch anmutenden Installation auswachsen, die Malerei weitet sich auch auf Wand und Boden aus. Die Hängung erfolgt gegen alle Gewohnheiten entsprechend angehäuft. Weg von der Logik überziehen die Bildfindungen auch Möbel, die Kreise weiten sich uferlos vom Flächenhaften auf Transparentpapier und Leinwand auch ins geometrisch Skulpturale aus.

Pornografisches trifft Klassik in den Porträts vieler Frauen aus seiner Umgebung und melancholischen Selbstbeobachtungen – auch im Bühnenraum für die mitpartizipierende Musikszene im Rahmen des Donaufestivals sind Fitnessgeräte, die sich zu Found Footage Plastiken wandeln. Ein Technowald, der an die Sadomasoszene erinnern mag, weil die Geräte als Körperformer nicht funktionieren, sondern nur einfach sinnlos herumstehen. Doch wer so denkt, ist selber schuld, denn zu bemerken ist nur ein fast barocker Appell an die Endlichkeit – allerdings ohne Mahnung.

Der Maschinentick von Graf ist mit Chaos-Taktik schon mit fast lustvollen Scheitern gekoppelt, überall lauert der Gegensinn und verschiebt unser Denken in schwer zu deutende schwarze Magie luziferisch leuchtender Bilder.

Aufzählung Ausstellung

Franz Graf: Schwarz heute jetzt habe dass schon fast vergessen
Hans-Peter Wipplinger (Kurator)
Kunsthalle Krems
bis 27. Juni

Printausgabe vom Mittwoch, 07. April 2010
Online seit: Dienstag, 06. April 2010 16:21:27

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