| Wien (APA) - Robert Adrian X, dem die Kunsthalle Wien vom
7. Dezember bis 10. Februar eine umfassende Retrospektive
widmet, gilt als Pionier der Telekommunikationskunst, der
"Netzkunst gemacht hat, als es dafür noch nicht mal ein Wort
gab". Die Ausstellung der Kunsthalle präsentiert den 1935 in
Toronto (Kanada) geborenen Künstler, der seit 1972 in
Österreich lebt, aber nicht virtuell, sondern materiell mit
einer Reihe ausgesuchter Werkgruppen. Darin werden nicht ohne
subtile Ironie und Doppelbödigkeit die Betriebssysteme, die
die Welt beherrschen, untersucht: Medien, Kunst, Werbung oder
Militär, die sich mehr und mehr zu einem "medienmilitärischen
Komplex" (R.A.X) verdichten.
"214 Jobs" ist eine 1979 entstandene Werkgruppe aus bunter
Fimo-Knetmasse, in denen Robert Adrian sich in all den Rollen,
die er bereits im Leben eingenommen hat - Obstpflücker,
Computeroperator, Bilderrahmer und Bilderfälscher,
Ausstellungsmanager, Hausmann, Aktmodell oder Statist -
dargestellt hat: ein ironischer Kommentar zur Rolle des
Künstlers in der Gesellschaft und zum Künstlermythos. Um
Sprache, Systeme, Übersetzungen, kreist die Installation
"Dictionnaire par Images", bei der der Künstler die
Abbildungen in einem "Bilder Wörterbuch"(deutsch-französisch)
in Knetmasse nachgebildet hat.
Auch das Ausgangsmaterial für "76 Airplanes" stammt aus dem
Bastlerladen. Modellflugzeuge, (nach Anleitung
zusammenzustellen, die er dann mit Zeitungspapier
(vorzugsweise von Seiten mit Kriegsberichten und Comic Strips)
collagiert hat. Der Sound dazu ist in einer anderen
Installation "Green Light" zu hören, wo der Lärm von
Überschalljägern das Ohr malträtiert. Während das Auge von
Batterien grüner Leuchtstoffröhren so verstört wird, dass es
sich wehrt und nach einiger Zeit das Licht einfach als weiß
wahrnimmt - und beim heraustreten aus der Grünlichtkammer das
weiße Licht als rosa erlebt. "Green Light" war ursprünglich in
Reaktion auf den Golfkrieg entstanden. Die "Terrormaschine
Flugzeug" (Adrian) hat mittlerweile noch eine weitere
Bedeutungsausweitung erfahren und die Bilder nächtlicher
Bombardierungen, bei denen nur dieses grüne Licht erkennbar
ist, gibt es wiederum auf den Bildschirmen.
Kaum eingeführt, hat Robert Adrian X, auch die Systeme der
Videoüberwachung hinterfragt und genutzt ("Surveillance" 1981
aus der Wiener U-Bahn). Immer wieder gilt seine Beschäftigung
auch dem System Kunst. So die Installation "Modern Art", eine
Spirale von Objekten, deren Materialien sich auch im
Bastlerladen beschaffen lassen, deren Form allerdings sofort
mit Moderne assoziiert wird. Adrians Modellbaubote sind
dagegen zum Kunstwerk geworden, weil der Künstler sie dazu
erklärt hatte. In einer als Event angekündigten großen Regatta
im Becken vor der Karlskirche (im Video zu sehen) und bei der
Biennale von Venedig, wo die Schifferln in der Lagune (auf
nimmerwiedersehen) ausgesetzt worden waren.
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