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2001-12-06 14:30
Retrospektive Robert Adrian X in der Kunsthalle
Kunsttheorie und Medienkritik aus dem Bastlerladen.
Foto: APA
Wien (APA) - Robert Adrian X, dem die Kunsthalle Wien vom 7. Dezember bis 10. Februar eine umfassende Retrospektive widmet, gilt als Pionier der Telekommunikationskunst, der "Netzkunst gemacht hat, als es dafür noch nicht mal ein Wort gab". Die Ausstellung der Kunsthalle präsentiert den 1935 in Toronto (Kanada) geborenen Künstler, der seit 1972 in Österreich lebt, aber nicht virtuell, sondern materiell mit einer Reihe ausgesuchter Werkgruppen. Darin werden nicht ohne subtile Ironie und Doppelbödigkeit die Betriebssysteme, die die Welt beherrschen, untersucht: Medien, Kunst, Werbung oder Militär, die sich mehr und mehr zu einem "medienmilitärischen Komplex" (R.A.X) verdichten.

"214 Jobs" ist eine 1979 entstandene Werkgruppe aus bunter Fimo-Knetmasse, in denen Robert Adrian sich in all den Rollen, die er bereits im Leben eingenommen hat - Obstpflücker, Computeroperator, Bilderrahmer und Bilderfälscher, Ausstellungsmanager, Hausmann, Aktmodell oder Statist - dargestellt hat: ein ironischer Kommentar zur Rolle des Künstlers in der Gesellschaft und zum Künstlermythos. Um Sprache, Systeme, Übersetzungen, kreist die Installation "Dictionnaire par Images", bei der der Künstler die Abbildungen in einem "Bilder Wörterbuch"(deutsch-französisch) in Knetmasse nachgebildet hat.

Auch das Ausgangsmaterial für "76 Airplanes" stammt aus dem Bastlerladen. Modellflugzeuge, (nach Anleitung zusammenzustellen, die er dann mit Zeitungspapier (vorzugsweise von Seiten mit Kriegsberichten und Comic Strips) collagiert hat. Der Sound dazu ist in einer anderen Installation "Green Light" zu hören, wo der Lärm von Überschalljägern das Ohr malträtiert. Während das Auge von Batterien grüner Leuchtstoffröhren so verstört wird, dass es sich wehrt und nach einiger Zeit das Licht einfach als weiß wahrnimmt - und beim heraustreten aus der Grünlichtkammer das weiße Licht als rosa erlebt. "Green Light" war ursprünglich in Reaktion auf den Golfkrieg entstanden. Die "Terrormaschine Flugzeug" (Adrian) hat mittlerweile noch eine weitere Bedeutungsausweitung erfahren und die Bilder nächtlicher Bombardierungen, bei denen nur dieses grüne Licht erkennbar ist, gibt es wiederum auf den Bildschirmen.

Kaum eingeführt, hat Robert Adrian X, auch die Systeme der Videoüberwachung hinterfragt und genutzt ("Surveillance" 1981 aus der Wiener U-Bahn). Immer wieder gilt seine Beschäftigung auch dem System Kunst. So die Installation "Modern Art", eine Spirale von Objekten, deren Materialien sich auch im Bastlerladen beschaffen lassen, deren Form allerdings sofort mit Moderne assoziiert wird. Adrians Modellbaubote sind dagegen zum Kunstwerk geworden, weil der Künstler sie dazu erklärt hatte. In einer als Event angekündigten großen Regatta im Becken vor der Karlskirche (im Video zu sehen) und bei der Biennale von Venedig, wo die Schifferln in der Lagune (auf nimmerwiedersehen) ausgesetzt worden waren.

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