Konzentration. Nicht bewegen, die Luft anhalten. Zu
leicht fällt eine der zwischen Wand und eigenem Körper eingeklemmten
Plastikflaschen zu Boden - die Anstrengung war umsonst. Hätte man nicht
schnell ein Photo geschossen. Wer dieses an Erwin Wurm schickt, bekommt es
signiert zurück - mutiert zu einer originalen "Skulptur" des 1954
geborenen österreichischen Künstlers.
Diese Gelegenheit bietet sich zur Zeit in der Neuen
Galerie in Graz, wo Peter Weibel eine Überblicks-Schau der Skulpturen
Wurms von den späten achtziger Jahren bis heute, vom Null-Volumen der
Staubskulpturen bis zur fettbedingten Körperausdehnung, zusammenstellte.
Zu Beginn steht der "Fat Car", der schon 2001 bei der
"Art Basel" Aufsehen erregte - jetzt parkt er faul in der Neuen Galerie.
Gerade noch kann man den aufgequollenen Alpha Romeo unter den Fettwülsten
erahnen. Neben Skulpturen aus Alltagskleidern und irritierenden Videos
dominieren Wurms herrlich absurde Momentaufnahmen.
In dieser Ausstellung hat man vor allem eins: Spaß. Doch
für scheinbar so angenehm Konsumierbares gibt es einen fundiert
theoretischen Unterbau: Wurm hat durch Verwendung von Video, Photo und dem
Einbeziehen der Handlung den Skulpturenbegriff in der Kunstgeschichte
erweitert. In seiner Arbeit kulminieren Entwicklungsstränge des
20. Jahrhunderts: Von der abbildenden Skulptur, der Abstraktion, dem
Ready-Made, der Objektkunst.
Durchscheinend verhüllt
Gleich neben der Neuen Galerie ist im Grazer Stadtmuseum
eine kleine Schau von Objekten und Bildern der 31jährigen Künstlerin
Susanne Sehn-Baumhakel zu entdecken. Ihre malerischen Arbeiten, in denen
verschwommen Gesichter, Porträts aus einem einfarbigen Hintergrund
auftauchen, können mit ihren Plastiken nicht mithalten: Die dreizehn
Kokons, symmetrisch aufgestellt, strömen eine beinahe kultische Anziehung
aus. Teilweise sind die fasrigen Behälter, umwickelt mit gipsgetränkten
Mullbinden, schon aufgebrochen, andere scheinen noch zu reifen. Ihren
fiktiven Inhalt geben die begleitenden Zeichnungen preis. Leider.
Erwin Wurm: bis 31. März, Di. bis So. 10 bis 18 Uhr, Do. 10 bis 20
Uhr. Susanne Baumhakel: bis 3. März, Mo. bis Do. 8 bis 16.30 Uhr, Fr.
8 bis 13 Uhr.
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