Tagblatt
Amtsblatt
EXTRA
SubSites

. _

Wiener Zeitung

1037 Wien, Rennweg 16 Tel. ++43 1 20699-0

-----

|||||

-----

[Home] [EU] [Staat] [Wirtschaft] [Kultur] [Wissen] [Computer]

.


Suche in:
Zeitung
Internet
Amtsblatt

Software
EDV-Links

Text + Bild

.

Kunsthalle Krems zeigt bis 7. September die Ausstellung "Mythos Art-Club. Der Aufbruch nach 1945."

. .

Ein großes österreichisches Wunder und die absolute Freiheit

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

300 Jahre Wiener Zeitung!Kurator Wolfgang Denk ist es mit Hilfe zahlreicher öffentlicher und privater Sammlungen mit bestmöglichen Exponaten gelungen, einen Mythos zu erwecken. In Galerie und zentraler Halle der Kunsthalle Krems hat er bis 7. September mit "Mythos Art-Club. Der Aufbruch nach 1945" alles konzentriert vereint, was nach 1945 an Avantgarde in Wien zusammenkam: Kriegs- wie Emigrationsheimkehrer (Moldovan und Wotruba), Überlebende mit Berufsverbot (wie Maria Biljan-Bilger, Rudolf Hausner) und die Jungen (Hutter, Lehmden oder Hundertwasser) trafen sich zuerst in privaten Ateliers, dann im so genannten "Strohkoffer" unter der Loos-Bar, später über dem Domcafé in der Singerstraße. Es waren neben den bereits Genannten u. a. Heinz Leinfellner, Maria Lassnig, Kurt Stenvert, die Bildhauer Hoflehner, Pillhofer und Wander-Bertoni. Gründer war der Maler Carl Gustav Beck, erster Präsident Albert Paris Gütersloh (der als Vierteljude mit Berufsverbot in Wien überlebt hatte) und der Organisator Alfred Schmeller, der spätere Direktor des Musems des 20. Jahrhunderts.
Die Vereinigung existierte bis 1960, expandierte auch nach Salzburg und hatte internationale Vorbilder von Paris bis Südamerika. Aus diesem Aufbruchsklima der Toleranz sind dann die beiden wesentlichen Strömungen der Nachkriegszeit hervorgegangen: die Phantasten und die Abstrakten; im Art-Club waren sie noch eine Einheit und nicht nur auf den Fotos mischen sich Mikl, Greta Freist, Gottfried Goebel, Edgar Jené, Rudolf Hausner, Roman Haller; aber auch Kubin, Kolig oder Szyskowitz gehörten dem Art-Club an. Hausners "Aporisches Ballett", das im Foyer des Konzerthauses nach Protesten abgehängt werden musste (kommt uns doch bekannt vor - siehe Gelatin in Salzburg), ziert Plakat und Katalog und ist in der zentralen Halle nebst erstklassigen Arbeiten von Rainer, Lassnig, Stenvert oder Hutters legendärem Theaterbild zu finden. Frech auch dieses; streckt doch ein Paar den Betrachtern nackte Hinterteile entgegen. 1981 gab es eine einzige Retrospektive von Otto Breicha und der Katalog von damals ist auch noch in Krems neben dem neu erarbeiteten zu bekommen; er war lange einzige Quelle zu dieser mythischen freien Gruppe, deren Individualismus Hutter als österreichisches Wunder bezeichnet hat. So frei ist es auch erst wieder viele Jahrzehnte danach geworden und auch die Zeitschrift "Plan" als Organ des Clubs, mit dem Anspruch einer Orientierung an Karl Kraus, integrierte alle Strömungen. Selbst die Kunsthistoriker Otto Demus und Otto Bensch sowie der Kustos des KHM, Ernst Buschbeck, aber auch Dichter wie Celan und Rühm sowie die Musiker Zawinul oder Gulda schlossen sich an. Die internationalen Kontakte sind nicht zu unterschätzen. Allerdings brachten sie den Avantgardisten seitens der Kritiker auch den Vorwurf der chaotischen Verworrenheit ein: wie jede radikal neue Kunstphase. Später spalteten sich die Abstrakten in zwei Gruppen und der Club mit 64 Mitgliedern, allerdings nur mit 16 Gründungsmitgliedern, löste sich nach Jahren der Stagnation auf. Heute wollen zu Recht viele dabei gewesen sein.

Erschienen am: 27.08.2003

.


Mit unseren Suchseiten können Sie in der Zeitung und im Internet recherchieren. Nutzen Sie die Link-Sammlungen, um EDV-Unternehmen und Software zu finden.

.