| Performance gegen den Alltagsrassismus | |
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Für Santiago Sierra liegt die globalisierte Ökonomie auf einer Ebene mit politischen Diktaturen. |
Von der eigentlichen Performance wird das Publikum nichts mitbekommen,
wenn Santiago Sierra im "project space" der Kunsthalle Wien am Karlsplatz
sein Projekt "Hiring and Arrangement of 30 Workers Relating to their Skin
Colour" durchführt: Dreißig in Wien lebende Menschen sollen dabei nach
ihren Hautfarben geordnet aufgestellt werden, der Prozess des Sortierens
wird per Video und fotographisch dokumentiert - und diese Spuren allein
sind es, die dann ausgestellt werden. Der Reduktion menschlicher Körper auf ihre Hautfarbe entspricht
wiederum eine Reduktion des Mediums: Statt Farbaufnahmen wird Sierra
Schwarz-Weiß-Material einsetzen, das damit die Differenzen der Haut auf
ihre Helligkeitswerte reduziert. Alltagsrassismus Diese Form der Medialisierung erschwert, allein mitleidig auf die
Instrumentalisierung und Verdinglichung menschlicher Individuen zu
reagieren. Statt dessen kann das Setting die Wahrnehmung des
Auswahlprozesses ermöglichen, der sein Widerspiel im unwillkürlichen
kleinen Rassismus hat, dem sich zu entziehen kaum möglich ist: Die
Hautfarbe eines persönlich unbekannte Passanten generiert die
entsprechenden medial vermittelten, durch Erfahrung angenommenen und nicht
notwendig bewussten Reaktionsmuster. Grundlagenforschung
Je dunkelhäutiger eine Person ist, die auf der Straße mit einer
höflichen Entschuldigung ein Gespräch einleitet, desto eher erwartet man,
um Geld angegangen zu werden. Die Bestätigung der unwillkürlichen
Ressentiments durch Erfahrungen funktioniert indes nur, wenn ihre Ursachen
aus dem Blick geraten. Die Performance wie ihre Dokumentation und
Ausstellung klagen den alltäglichen Rassismus dabei weniger an, als dass
sie Interesse an eben diesen Ursachen wecken: Ob es nicht denkbar ist,
dass die globale Diktatur der westlichen Wachstumsökonomien eben so sehr
Menschen zu fliehen zwingt wie Bürgerkriege und die despotischen
Regierungen mancher Staaten?
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