| Salzburger Nachrichten am 11. Mai 2006 - Bereich: Kultur
Ein Karikaturist aus Leidenschaft Gerhard Haderer stellt
erstmals im Linzer Nordico aus: Er sieht sich als wohlwollender
Kirchenkritiker
Berthold Schmid Linz (SN). "Mein Lieblingsthema ist der Linzer - in seinen gesamten
Erscheinungsformen", gab sich Mittwochmittag Gerhard Haderer (Hades),
begnadeter Karikaturist aus Leidenschaft, im Linzer Museum Nordico
gelassen. Dort ist ab heute, Donnerstag, bis zum 20. August erstmals eine
große Haderer-Ausstellung zu bewundern. Es werden 200 Werke, darunter auch
bisher unveröffentlichte Zeichnungen, Skizzen und Karikaturen gezeigt.
Ebenso zu sehen sind die brisanten Bilder jenes Jesus-Zyklus, die
Haderer 2002 in seinem Buch "Das Leben des Jesus" veröffentlicht hatte und
in der katholischen Kirche heftige Reaktionen ausgelöst hatten.
Bekanntlich wurde Haderer im Jänner 2005 in Abwesenheit in Griechenland
wegen Beschimpfung einer Religionsgemeinschaft zu sechs Monaten Haft
verurteilt und drei Monate später frei gesprochen. "Ich bin ein wohlwollender Kritiker der Kirche", unterstrich der
Karikaturist im SN-Gespräch. Dennoch sei für ihn danach eine Zäsur
eingetreten. "Ich habe nicht davor und danach erlebt, dass es einen
Stellvertreterkrieg geben kann, ohne auf den Inhalt zu achten. Ich bin
stigmatisiert worden als jemand, der die Religion verunglimpft und ich
bestehe darauf, dass dies eine Unterstellung ist, die nicht haltbar ist,
wenn man das Buch nur drei Seiten lang durchblättert. Aber ich denke,
insgesamt hat es dadurch für die kichenpolitische Absicht etwas gebracht,
weil man Themen in der breiten Öffentlichkeit diskutiert hat, die der
Kirche gut getan haben." In seinem Schaffen habe diese Unterstellung, die
nicht spurlos an ihm vorübergegangen sei, jedoch keine Veränderung der
Aussagepositionen mit sich gebracht. "Ich stehe jetzt gerade in einer
Ausstellung, wo ich beweisen kann, dass es wesentlich schärfere Blätter
zum Thema Kirche gibt, als das im Leben des Jesus illustriert ist." Die Schärfe der "Hades-Zeichnungen" sind legendär und hatten vor Jahren
Bundeskanzler Schüssel, der sich in vielen als tollpatschiger Wolferl
erkannt hatte, aber auch in der genial abgewandelten Person des
Stummfilmkomikers "Doof", zu einer abfälligen Kritik hinreißen lassen:
Schund. Jetzt ziert die "Schüssel-Doof-Karikatur" das Plakat für die
aktuelle Ausstellung. Derzeit sei jedoch die deutsche Kanzlerin Angela Merkel seine
Lieblingsfigur, vor der er in die Knie gehe, sagte der gelernte Designer
und Werbegrafiker, dessen Zeichnungen regelmäßig im "Stern" und "profil"
veröffentlicht werden. |