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Brennende Wünsche, im Federbett gekühlt

HELGA REICHARTINNSBRUCK (SN). Julia Bornefeld hat mit „Vanity and High Fidelity“ das Tiroler Landesmuseum im Sturm erobert. Flott durch den Großbildrahmen geschlüpft, der vor dem Innsbrucker Ferdinandeum schräg ins Pflaster gerammt ist – und nichts wie rein! Bornefeld, geboren 1963 in Kiel, stammt aus einer Musikerfamilie. Sie „dirigiert“ ihre Arbeiten – Installation, Objekt/Skulptur, Malerei, Fotografie – im Ineinander zur Barockkunst, wie es sich auch dem Besucher der barocken Schausammlung im Ferdinandeum erschließt.

Im Kuppelraum regiert das Prachtstück der Ausstellung: „Vanity and High Fidelity“ ist eine fulminante Rauminstallation in Form eines überdimensionalen Grammophons, auf dessen XXL-Scheibe eine Tanzparty stattfinden könnte. Musik steigt aus einem vier Meter hohen, goldglänzenden, plastisch auf- und abschwellenden Schalltrichter aus Messing himmelan – ein lustvoll-verwirrendes Vanitas-Symbol. Die Klänge werden von Südtiroler Musikern nach Stücken des Großvaters der Künstlerin, Rudolf Graf, dargeboten.Packende barocke Illusion Die scheinbar unendlich schwingende, barocke Raumillusion packt uns gewaltig. Vanitas: Leerer Schein, Vergänglichkeit. High Fidelity: in diesem Fall wohl „Hohe Klangtreue“. Da tauchen wahrlich brennende Wünsche auf, die der Kunstfreund vielleicht nebenan mit einem Salto von der turmhohen, angesengten Sprungbrett-Installation „Tirolean ziccurat“ auf die bauchigen Bauern-Plumeaus abfedern könnte. Falls nicht, darf er sich an das durch ein riesiges Schlachtermesser gemeuchelte Klavierobjekt „Fantasia e Bagatelle“ heranschleichen, das mit einer persönlich-erotischen Videoarbeit für Gänsehaut sorgt.

Doch nicht genug: Bornefeld serviert in ihrer Personale noch genügend manisch-depressives Barockgefühl. Das gelingt ihrem kreativen Spielvergnügen auf hohem Niveau, betrachtet man etwa die goldgerahmten, großen Fotoarbeiten, die Bornefelds Inszenierung des weiblichen Körpers aufrufen und teilweise zum Manierismus tendieren. High Fidelity (man könnte auch hohe Qualität sagen) tritt mehr noch in ihren witzig-exzentrischen, assoziationsstarken Objekten undSkulpturen zutage. (Bis 29. 5. )www.tiroler-landesmuseum.at

Kultur / 22.04.2011 22.04.2011 / Print

 
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