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Quer durch Galerien

Sind Fleischer Romantiker?

Von Claudia Aigner

300 Jahre Wiener Zeitung!Aha, der Frohner ist also auch so einer, der seinen Sonntagsbraten knebelt und fesselt, damit der ganz bestimmt nicht Reißaus nehmen kann, wenn die Gabel kommt (nicht einmal mit Hilfe des ersten Merseburger Zauberspruchs). Und den Rest der Woche klopft er inbrünstig seine andern wehrlosen Schnitzel (vorzugsweise Hormonfleisch, das mit viel Östrogen gedopt ist). Na ja, das alles ist vermutlich bloß ein Vorurteil. Aber Tatsache ist: Adolf Frohner ist einer der unvegetarischsten Künstler im Lande.
Er malt und zeichnet sozusagen im Fleischhackerjargon: ziemlich roh und gnadenlos unromantisch. Doch auch wenn man ihn sich nicht wirklich ohne die blutige Farbe Rot an den Malerfingern vorstellen kann, es gibt ihn trotzdem auch unblutig, sprich in Schwarzweiß - wenn er es seinen Radierplatten mit seinem Stichel und seinen Säuren "gibt" (selbstverständlich nicht "autobiologisch", ergo nicht mit der Magensäure). Noch bis 30. April zeigt die Galerie in der Fichtegasse 1 eine feine (pardon: brutale) Auswahl aus den Radierungen der letzten 40 Jahre Frohner. In den Sechzigern räkelte etwa "Das vulgäre Ballett" seine plumpen, zerfledderten Leiber, immer an der Grenze zum Tragikomischen. Bizarr tanzende "Schinken", die beim Cancan verzweifelt erotisch einen Schlögel hochschleudern. Vorübergehend bekam das Ewig-Fleischliche dann gesittetere Konturen und sehr plastische Körper. Ihren . . . äh: exzentrischen Sexappeal behalten die bestrumpften, bestrapsten oder verschnürten Damen dabei freilich schon. Zum Beispiel jene Jublerinnen, die aussehen wie grotesk kokette "Grazien der Sachertorten und Cremeschnitten". Was mir hier beim "strengen Kämmerer" Frohner seltsamerweise am besten gefällt, ist der kreatürliche (und ich denke: freiwillige) Humor.
Kain ist immer und überall: Der Garten Eden, wie ursprünglich angekündigt, ist das jedenfalls nicht (da an den Wänden der Galerie Steinek, Himmelpfortgasse 22, bis 9. Mai). Bestenfalls ein Eden für Makabre oder für US Marines. Oder ein Paradies für Apokalyptiker, die es nicht für nötig halten, auf das Endgericht aus dem All zu warten, auf den Kometen, denn der Mensch ist sich ja eh Weltuntergang genug. Wie auch immer: Fabrice Langlade hat kurzfristig umdisponiert, weil der Irakkrieg quasi in seinem Garten Eden herumgeackert hat. Und er hat jetzt halt Soldaten, Leichen und Kriegsgerät (alles aus PVC) mit Nadeln an der Wand aufgespießt. Wie bei einer Schmetterlingssammlung. Kein wildes Schlachtengetümmel mit Todesengeln vom Typ F18 und mit apokalyptischen Panzerfahrern, sondern eine beschaulich dekorative, geradezu liebliche bunte "Idylle" voll ornamentaler Harmonie. Ein bildschöner Krieg. Das ist natürlich besonders boshaft.
Eine friedliche Terrakotta-Armee: bis 2. Mai in der Seilerstätte 16 beim Lang (Zitat Lang: "I bin der Lang" - das konnte ich mir jetzt einfach nicht verkneifen). Die strammstehenden lebensgroßen Tonfiguren von Barbara Michl-Karácsonyi (der Lang: "Es ist ihr Lächeln. Und die Nase - das is sie. Sie hat so a markantes Profil") sind unbeschwert naiv und reichhaltig weiblich. Besonders hinten. Das muss erlaubt sein.

Erschienen am: 25.04.2003

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