| Stammtischhoheit und politische Reflexion | |
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Martin Gostner erzählt Österreichs Nachkriegs-
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Der Kunstraum als Wirtshaus. Oder
präziser gesagt: der Kunstraum als Ort politischer Diskussionen. Beides
trifft im Fall der Ausstellung von Martin Gostner zu. Die Inszenierung
seiner Ausstellung erinnert an das Ambiente in einem typischen Wiener
Beisl.
Von der Besatzung bis Schranz Die Ausstellung geht tatsächlich in einem Lokal über die Bühne. In
Anlehnung an österreichische Rustikalklischees hat Gostner das Café der
Secession in "Kupferpfandl" umbenannt. An den Wänden finden sich Plakate
mit Anspielungen auf signifikante politische Ereignisse in Österreich seit
1945. Die Bezüge lassen sich leicht entschlüsseln. Eines der Plakate
erinnert zum Beispiel an Karl Schranz, der 1972 von der Teilnahme an den
olympischen Spielen in Sapporo ausgeschlossen wurde. Nach seiner Rückkehr
wurde Karl Schranz damals auf der Wiener Ringstraße gefeiert. Auf dem
entsprechenden Plakat dazu findet sich bei Martin Gostner allerdings auch
der Name Andreas Hofer. Von Tierschutz bis Abtreibung Auf einem anderen Plakat heißt es "Tierschutz ist Selbstschutz". Dann,
ein Stück weiter, eine Erinnerung an die Demonstrationen gegen den
Abtreibungsparagraphen 144. Treffpunkt für diverse Aktionen und
Diskussionen ist immer das imaginäre Gasthaus "Kupferpfandl". Die
erfundenen Plakate von Martin Gostner erinnern an politische Debatten und
damit verbundene Ziele, für die man auf die Straße ging.
Als heimeliger Ort für diverse Diskussionen wird das "Kupferpfandl" im
Jahr 1945 wiedereröffnet. Die darin affichierten Plakate machen es zu
einem Spiegel der Zeit. "Stilles Gedenken" unmittelbar nach Kriegsende
anlässlich eines Treffens von Kriegsheimkehrern. Dann 1956 eine
Hilfsaktion für Ungarn, wenig später Gedenken an den verstorbenen
Kommunisten Ernst Kirchweger, nach dem heute ein ehemals besetztes Haus
benannt ist. Dann plötzlich: Tierschutz ist Selbstschutz. Spiegel der Zeit Die Ausstellung könnte als Versuch gelesen werden, die politische und
kulturelle Identität Österreichs mit den Mitteln des Ankündigungsplakates
und des Zitats politischen Slogans zu spiegeln. Gostner versucht die
Unterschiede zwischen Biertischpolitik und politischem Engagement im
Wirtshaus auszudifferenzieren.
Zugleich zeigt die Ausstellung, dass das Wirtshaus, die Bar oder das
Beisl, wie es im Wiener Jargon heißt, kaum als autonome Insel existiert,
sondern vielmehr als Ort zu sehen ist, an dem die Dinge des Alltags in
konzentrierter Form aufgekocht werden. Viele der Ereignisse, auf die
Martin Gostner anspielt, sind einem jüngeren Publikum lediglich als Thema
der Zeitgeschichte bekannt. Tipp: Die Ausstellung "Kupferpfandl ....und darüber" in der Wiener Secession dauert noch bis
25.2.2001. | ||||||||