Der künstlerische Leiter der
kommenden Documenta 12, Roger M. Buergel, gab am Montag in Kassel
erste Themen und Ideen für die weltweit größte Ausstellung für
moderne Kunst benannt. In der vom 16. Juni bis 23. September 2007 in
Kassel stattfindenden Kunstschau will er nach eigenen Angaben die
Frage thematisieren: Welche Erfahrungen machen Menschen, wenn sie
sich bilden oder selbst ausbilden? Wie wird moderne Kunst vom
Publikum aufgenommen?
Keine Volksbildung
„Der Aspekt der
Publikumseinbindung ist mir extrem wichtig”, sagte der Kurator. Noch
vor Beginn der Documenta sollen daher Foren gebildet werden, in
denen sich Kunstinteressierte und Künstler informieren und
orientieren könnten. Auch auf die Frage, warum viele Menschen auf
moderne Kunst mit Unverständnis reagierten, werde eingegangen.
Buergel betonte, mit der auch als „Museum der 100 Tage” bekannten
Veranstaltung solle jedoch keine Art von Volksbildung betrieben
werden. Vielmehr gehe es darum, sich mit der Kunst
auseinanderzusetzen.
Die Documenta-12-Macher
wollen bereits ab diesem Frühjahr mit mehr als 70 Redaktionen von
Zeitschriften, Magazinen und Online-Medien weltweit in einen
Kunstdialog treten. Die zentralen Debatten und ästhetischen
Auseinandersetzungen sollen vor Ausstellungsbeginn in drei
Zeitschriften erscheinen. Eine Internetplattform soll ebenfalls
Einblick in die Diskussion geben.
Weitere Themen auf der
Documenta 12 seien die Moderne mit ihren Brüchen und Katastrophen
und „das bloße Leben”. Letztere solle individuelle Existenzformen
beschreiben, die von jeglichen staatlichen Attributen befreit seien,
sagte Buergel. Als Beispiel nannte er das Gefangenenlager Guantanamo
Bay auf Kuba, wo ein komplett rechtsfreier Raum
herrsche.