Sechs lange schwarze Streifen bedeuten Himmel. Sechs kurze Streifen Erde. Zusammen ergeben sie das Zeichen für Frieden. Jedenfalls im chinesischen Buch der 64 Weissagungen, dem „I Ging“, dessen Studium in den Sechzigerjahren in Amerika schwer in Mode war und das Zenita Komad jetzt wieder entdeckte. Davon erzählt jedenfalls die neue Installation der jungen Künstlerin in der Wiener Galerie Krinzinger: Boden und Wände sind durch die schwarzen Zeichen effektvoll strukturiert, und was herauskommt, „When heaven kisses Earth“, wie die Inszenierung heißt, wird auch gleich präsentiert: ein kopfloses Wesen auf zarten Füßchen, das gleichzeitig gebiert und geboren worden ist, ein eindeutig weibliches also.
Das bunte, Richtung Saum hin blutrote Riesinnen-Kleid hängt wie ein Altarbild an der Stirnwand, dazu hört man über Lautsprecher Opernsänger schwer atmen, die Audioreste der Eröffnungs-Performance. Eine hermetische Arbeit, die von der Begegnung mit einer fremden Kultur kündet, vom eigenen Werk aber schnell, ohne große Schmerzen aufgesogen.
Wie chinesische Künstlerinnen leben
Ähnliches bemerkt man bei Eva Schlegel, die im Nebenzimmer ausstellt. Beide waren auf Einladung der Kunstmesse CIGE im Juni Artists in Residence in Peking. Wo Schlegel eine Serie fortführte, die sie in Los Angeles begonnen hatte: Sie besuchte und porträtierte Künstlerinnen in ihren Ateliers, eine überall hilfreiche und wichtige Feldforschung. Die Dutzenden Fotoausdrucke hängen jetzt in Augenhöhe auf Fotoleinen, die Biografien der großteils jungen Künstlerinnen liest man an der Wand. Zwei Ergebnisse einer Reise, die keine Hauptwerke sind und keine neuen Weichen stellten, sondern von einer kurzen, aber ernsthaften Auseinandersetzung künden, einer sicher ernsthafteren jedenfalls, als sie sich der brasilianische Post-Hippie-Künstler Jarbas Lopes bei seinem kurzen Wienaufenthalt als Residency der Krinzinger Projekte erlaubte. Er war radfahren und hinterließ u. a. eine Flasche Urin und seinen gesammelten Biomüll. Warum müssen Künstler uns heute eigentlich immer noch so oft Exkremente überlassen? Wir haben in den 60er-Jahren doch schon genug geputzt... sp
Bis 7.8., Di bis Fr 12 bis 18 Uhr, Sa 11 bis 16 Uhr, Seilerstätte 16, Wien 1.
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