Swinger-Club Element6 wird durch die Angewandte zum Ort für zeitgenössische Kunst
Wo Sex auf junge Kunst trifft
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Karin Franks "Paralympics" (v. l. n. r.), Peter Fritzenwallners "Maxi
Cosi"-Turm aus Kinderbauklötzen, Atelier van Lieshouts Zeichnung
"Untitled" und Oleg Kuliks Video "Performances". Foto: Siehe Bildtext
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Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Das Team Absolventen und Studenten der Universität für angewandte Kunst wagt eine Initiation – sie bespielen bis Sonntag den
in
der Secession ausgelagerten Swinger-Club Element6 mit Kunst. Die
naheliegende Idee des Austauschs ist kein einfaches Unterfangen in dem
verwinkelten Raumgefüge mit häufig auftretender Nischen- und
Zellensituation, bunten Wänden und gemustertem Teppichboden.
Zu den Werken von Studierenden gesellen sich prominente Namen wie
Franz West, Atelier van Lieshout, Helmut & Johanna Kandl und Markus
Schinwald.
Das Feigenblatt ist hier ein schwarzes Kastanienblatt
Richtig: Wir sind in Wien und da heißt so eine Schau in Erinnerung
an den wesentlichen Entdecker der schwarzen Schichten unter dem
alltäglich maskierten Selbst "Wo Ich war, soll Es werden". Sigmund
Freuds Verständnis für zeitgenössische Kunst war zwar gering und er
studierte die Sexualität auch nicht im Bordell, aber hier hätte er sich
wohl am Sublimieren erfreut. Trifft sein "Es" doch auf elf bunte
Johannes Paul-II.-Gipse "auf der Reeperbahn" der Bar-Bekrönung. Das
Feigenblatt zur Bedeckung ist hier ein schwarzes Kastanienblatt der
Aufklärung von Heiri Häflinger – als "Shame" teilt es sich mit der
Seychellennuss "Coco de Mère" von Markus Proschek eine grüne Nische.
Die Farbe der Hoffnung neben warmen Rottönen kann ruhig ein bisschen
Symbolik versprühen. Markus Schinwalds Buchobjekt ohne Schrift im
Glaskasten ziert eine akzentuierte Falzstelle: So erotisch war Lesen
wirklich noch nie!
Das eigentliche Objekt weiblicher Begierde wird von West zu
"Mother’s
little helper" in Rosa an der Wand, während daneben der "Maxi
Cosi"-Turm aus Bauklötzen von Peter Fitzenwallner fragil aufragt und
die unumstößliche Kubismusvariante von Herbert de Colle & Hannes
Ribarits die Bar ganz einfach überwuchert. Die elf Päpste schließen
sich zur Sektflöten Venus als "Terrakotta-Armee" mit Kerzen von
Katharina Karner an.
Sportliche Anstrengungen vom Zusehen
Die Videos von Oleg Kulik, Reinhard Bernsteiner und Stefan
Wirnsperger illustrieren die Freudschen Kastrationsängste auf das
Grausamste, auch Blut fließt beim Zerteilen von Stierhoden. Richtig
daneben die malerische Feststellung von Ines Hochgerner über dem
Liebesbett "Die Couch ist leer": Das könnte der nach London emigrierte
Traumdeuter auch für sich in Wien beanspruchen. Sport ist nicht nur
Mord, sondern auch Sex scheint für Karin Franks "Paralympics"-Mann
gefährlich, aber auch Nacktbaden ist angesagt: Die Kandls verbinden es
mit Familie am Ort "Brünnerstraße 165", die hüllenlose Professorin ohne
Angst vor Pfuhl und Herbstkälte. Letzte Sportaspekte, für alle, die
sich anstrengen wollen beim Zusehen: Bei Kamen Stoyanow geht’s aufs
Ganze, daneben hat Poschek ein seltsames "Phantom" aus
Hochsprungstange, bekrönt mit einem Bienenkorb aus Gips in die Kammer
für Voyeure gestellt.
Frauenarbeit thematisiert das Atelier van Lieshout, vom "Verdrängen,
erinnern, vergessen" spricht zeichnend Moussa Kone und dazu parken
gelitin eine ihrer Tierskulpturen mit seltsamer Metamorphose eines
Beins zum Langschwanz, samt eingebauter Glühbirne. In der Dusche gibt
es Weihwasserschalen für das Opfern heiliger Flüssigkeiten, am Spiegel
jeweils installiert von Ines Hochgerner, deren Video einer Performance,
anlässlich der Vergabe der Adlmüller-Stipendien, neben einem Gorilla
auch Rektor Bast mit reinzieht. Ganz unter dem Motto "Keep swinging!".
Ausstellung
Wo Ich war, soll Es werden
Gruppenausstellung
Hildegart Schreber (Konzept)
Swinger-Club Element 6 Kaiserstraße 95 in der Secession
Öffnungszeiten: 9. April, 19 bis 22 Uhr, 10. April, 16 bis 22 Uhr; 11. April ab 17 Uhr
Printausgabe vom Donnerstag, 08. April 2010
Online seit: Mittwoch, 07. April 2010 18:40:00
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