Hauptausgabe vom 03.12.2001 - Seite 008
DIETMAR BREHM: Der Filmer, Maler und Zeichner im Galeriendoppel

Im Bannkreis von Edding & Co.

VON IRENE JUDMAYER

Kennen Sie einen Edding? Falls nicht: das sind diese extrem dicken Filzschreiber, mit denen mehr oder weniger wichtige Menschen mehr oder weniger wichtige Nachrichten für andere auf große Papiertafeln schreiben. Unternehmensberater beispielsweise: Die zeichnen mit Eddings auf, wie das Lobbying vom Demnächstmöchtegernchef funktioniert. Oder Therapeuten: Die zeichnen mit Eddings auf, wie etwa die Problematik der Täter/Opfer-Umkehr in Paarbeziehungen funktioniert.

Oder der Linzer Künstler Dietmar Brehm: Der zeichnet mit so einem Edding auf, was ihm so unterkommt im Leben, was ihm so hängenbleibt auf dem weiten Weg durch die Pupille ins Gehirn und zurück in die Hand.

Das ergibt auf so einem Blatt Papier oder auf einer Leinwand manchmal seltsame Paarungen: Einen schwarzen Sack neben einem schwarzen Ei vielleicht. Einen Hasen, der über einen liegenden Mann springt. Eine Faschingsmaske und eine Karotte. Einen Mann und einen Fisch, einen Schinken und eine Seilschlinge. Zwei hohe Haustürme und einen Flieger. Oder die bandagierte Hand eben. Manchmal sind die Umrisse mit Acryl ausgemalt, manchmal gibt es auch einfärbige Flächen rundum.

Betrachter, die den Filmer, Maler und Zeichner nicht kennen, glauben manchmal ratlos zu sein. Wie meine Tante, die auch die Ausstellung besucht hat. Wobei "die Ausstellung" nicht stimmt, weil es derzeit zwei Präsentationen parallel gibt. Eine mit Brehms Gemälden in der Galerie Brunnhofer, eine mit Druckgrafiken und Zeichnungen in der Fa. Paradigma.

Meine Tante also hat gemeint, dass der Brehm zwar gut zeichnen kann, dass sie die Bilder insgesamt aber irgendwie an Verkehrszeichen erinnern. Liebe Tante, besser hätte es ein Galeriechef auch nicht ausdrücken können, denn das ist ein perfektes Symbol für die reduzierte Zeichenwelt von Dietmar Brehm: Es sind tatsächlich Signale aus unserer Ära des ewig Reproduzierbaren, aus dem medialen Dauerbeschuss im Informationszeitalter.

Das wird in der Paradigma noch klarer als bei Brunnhofer. Aber womöglich hat Brehm auch mit den besseren Gemälden gespart, weil er die ja demnächst für seine große Retrospektive im Wiener Künstlerhaus braucht?

Brunnhofer/ Paradigma/Linz: bis 21. 12. (Infos: 0732 / 78 57 08, 0732/ 60 38 48)


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