
Do,
17.1.2002
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Sichtsitze: Und jetzt wollen sie
alle haben
Ein
Kunstprojekt mit starker Wirkung
Dornbirn (VN-cd) Was lange genug
kritisiert wird, entwickelt sich schließlich zum Objekt der
Begierde. So geschehen in Dornbirn, wo man nicht müde wurde, das
Projekt "Sichtsitze" zu verurteilen, mit derartiger Vehemenz
jedenfalls, dass nun fast jeder einen solchen Sitz haben will.
Die Vorgeschichte ist bekannt. Zum 100. Geburtstag der
Stadt schrieb der Verein "Kunst.Raum" einen Wettbewerb aus.
Verwirklicht wurde nicht das Siegerprojekt, aber mit einer Bank
besonderen Ausmaßes eines, das in die engere Wahl kam. An
verschiedenen Plätzen aufgestellt, sollte der Sitz Gelegenheit
bieten, sich mit markanten Orten, Details und Ansichten in Ruhe -
also sitzend - auseinanderzusetzen.
Erst Ablehnung . . .
Nachdem die ersten Sitze diesen Anforderungen nicht
standhielten, wurden stabilere hergestellt. Doch eine Lawine der
Ablehnung war schon ins Rollen gebracht und so boten die Sichtsitze
manchem Zeitgenossen Anlass, Kunst und Kultur zeitgemäßer Prägung
grundsätzlich zu verurteilen. Dornbirn hatte nun etwas buntere
"Bänkle" und dazu ein Sommerthema, das sich bis weit in den Herbst
hineinzog - und gar nicht so luftig war, weil sich mancher berufen
fühlte, mit verbal schwerem Geschütz gegen das filigrane "Bänklein"
anzutreten.
. . . dann Begeisterung
Was zur Wende führte, kann man sich nun weder beim
"Kunst.Raum" noch bei der Stadt Dornbirn so recht erklären. Als die
Sitze zum Verkauf standen, waren sie nämlich alle in wenigen Tagen
vergeben. Mehr noch, manche Sichtsitzbegeisterte versuchen nun im
Rathaus zu intervenieren, um doch noch an ein "Bänkle" zu kommen.
Vergeblich. Und für das allerletzte der 100 "Bänkle", das derzeit
noch unter einer dicken Schneedecke hoch über Dornbirn "ruht",
gibt's gleich mehrere Anwärter. Der "Kampf" soll bis zur
Schneeschmelze entschieden sein.
Zum Finale des "Sichtsitz"-Projekts ist unter den Käufern
ein "Kampf" um das allerletzte "Bänkle" entbrannt. (Foto:
"Kunst.Raum")
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