VN Sa, 22.6.2002

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Kultur 

Als die Kunst erwachsen wurde

Auch Bechtold war Teilnehmer der legendären "documenta 5"

Wien, Bregenz (VN-cd) Für ihn war es wie ein Pubertieren, wie das wichtige Erwachsenwerden der Kunst. Der Vorarlberger Gottfried Bechtold war Teilnehmer jener "documenta", die die Gemüter so bewegt hat, wie kaum eine Ausstellung zuvor. Die Weltkunstschau des Jahres 1972 wird nun in einer Ausstellung dokumentiert.

Derzeit macht sie in Wien Station. Im Rahmen eines Projekts der Kunsthalle und der Organisation "Basis Wien" hält Bechtold am Sonntag einen Vortrag. Er selbst wollte für die von Harald Szeemann kuratierte Weltkunstschau seinen Lebensumraum ins Museum verfrachten und war damit einer der Ersten überhaupt, die Kunst und Leben so direkt miteinander in Verbindung brachten. Das Projekt ließ sich nicht verwirklichen, Bechtold hielt sich aber während der 100 Ausstellungstage in Kassel auf und ließ seinen jeweiligen Aufenthaltsort via Lautsprecher durchsagen.

Dass die Künstler die Produktion von Werken dieserart verweigerten, sowie die zahlreichen politischen Anspielungen waren für das Publikum und für die Presse eine Provokation. Die "Frankfurter Zeitung" berichtete lediglich, dass Bechtold mit Tomaten beworfen wurde. Auch Beuys richtete für drei Monate in Kassel sein "Büro für direkte Demokratie" ein - und eckte an. Bei Christo konnte man Reisen buchen. Bechtold: "Ich muss immer lachen, wenn man heute von der Unmittelbarkeit der Kunst spricht. Diesbezüglich ist die ,documenta 5` nicht zu übertreffen."

Gottfried Bechtold hält am Sonntag, 23. Juni, 11 Uhr, im Lokal der "Basis Wien" (Wien 5, Fünfhausgasse 5) einen Vortrag.

Gottfried Bechtold bei der "documenta 5" 1972 in Kassel.




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