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05.12.2002 - Ausstellung
Die inszenierte Vision
Matthias Griebler, ein Zeichentalent in Altmeistermanier, stellt in der Österreichischen Postsparkasse aus.


Es ist unglaublich. Eine schier unüberschaubare Zahl an Blättern reiht sich an den etwas plumpen Stellwänden in der Haupthalle der Österreichischen Postsparkasse in Wien dicht aneinander. Tuschzeichnungen, Radierungen, Aquarelle - der Strich so sicher und elegant, daß er an Daumier oder auch Kubin denken läßt.

So weht hier der Hauch einer dunklen Vision in die Adventzeit: Dämonische Wesen wiegen sich im grausamen Tanz, Clown-Fratzen blecken ihr Gebiß, Geschlechtsteile recken sich drohend in die Höhe. Schauderhaft, und doch vertraut, tradierte Motive aus der Kunstgeschichte.

Die Geschichte des Schöpfers dieser perfekten Blätter ist eine kürzere: Erst 30 Jahre zählt Matthias Griebler, der sein graphisches Talent an der Wiener Akademie der bildenden Künste schulte. Daneben schulte er sich wohl auch in Selbstdarstellung: Sein Lebenslauf liest sich wie aus früheren Jahrhunderten, indiziert das Image des schrulligen Einzelgängers. Das persönliche Gespräch bestätigt es.

Alte Seele in jugendlicher Hülle? Oder doch nur marktheischende Inszenierung? Jedenfalls ein Wermutstropfen im beeindruckenden Werk, das Tausende Zeichnungen zählt. Lautet Grieblers Motto doch: "Nulla dies sine linea". sp

Bis 13. Dez. Mo. bis Fr. 8-15 Uhr, Do. bis 17 Uhr 30.



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