Es ist unglaublich. Eine schier unüberschaubare Zahl an
Blättern reiht sich an den etwas plumpen Stellwänden in der Haupthalle der
Österreichischen Postsparkasse in Wien dicht aneinander. Tuschzeichnungen,
Radierungen, Aquarelle - der Strich so sicher und elegant, daß er an
Daumier oder auch Kubin denken läßt.
So weht hier der Hauch einer dunklen Vision in die
Adventzeit: Dämonische Wesen wiegen sich im grausamen Tanz, Clown-Fratzen
blecken ihr Gebiß, Geschlechtsteile recken sich drohend in die Höhe.
Schauderhaft, und doch vertraut, tradierte Motive aus der Kunstgeschichte.
Die Geschichte des Schöpfers dieser perfekten Blätter ist
eine kürzere: Erst 30 Jahre zählt Matthias Griebler, der sein graphisches
Talent an der Wiener Akademie der bildenden Künste schulte. Daneben
schulte er sich wohl auch in Selbstdarstellung: Sein Lebenslauf liest sich
wie aus früheren Jahrhunderten, indiziert das Image des schrulligen
Einzelgängers. Das persönliche Gespräch bestätigt es.
Alte Seele in jugendlicher Hülle? Oder doch nur
marktheischende Inszenierung? Jedenfalls ein Wermutstropfen im
beeindruckenden Werk, das Tausende Zeichnungen zählt. Lautet Grieblers
Motto doch: "Nulla dies sine linea". sp
Bis 13. Dez. Mo. bis Fr. 8-15 Uhr, Do. bis 17 Uhr 30.
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