Heiße Debatte um Ausgliederung der Museen

Die Wiener Museumsexperten zum Grundsatzstreit über Ausgliederung ja oder nein.
Von Kristina Pfoser.


Mit seinem angekündigten Rückzug und mit Aussagen wie er wolle kein Disneyland-Museum und der Kostendruck bringe eine Nivellierung des Ausstellungsangebotes hat der Direktor des Museums Moderner Kunst Stiftung Ludwig, Lorand Hegyi, neuen Konfliktstoff in die Debatte um die Ausgliederung der Bundesmuseen gebracht.

Hegyi selbst war nach der Bekanntgabe seines Rückzugs für weitere Stellungnahmen nicht erreichbar, doch haben sich zum Thema Kunst und Quote in den vergangenen Tagen eine Reihe von Museumsdirektoren zu Wort gemeldet, wie Wilfried Seipel, der als Direktor des Kunsthistorischen Museums immer wieder als Paradebeispiel für gelungenes Ausgliederungsmanagement genannt wird.

Kunsthistorische Museum, Wien / ©Bild: APA
Kunsthistorische Museum, Wien / ©Bild: APA

Pro Eigenverantwortung

Für Seipel stellt es ein Missverständnis dar, dass Museumsdirektoren der Meinung sind, der Staat stehe für die Finanzierung. Für Seipel steht der Bildungsauftrag im Vordergrund und der Sammlungsauftrag, der sei unmittelbar an wirtschaftliche Erfolge gebunden und Aufgabe des Direktors sei, für diesen wirtschaftlichen Hintergrund zu sorgen.

Contra

Der Kommerzialisierungsdruck in der Museumslandschaft ist nicht nur hierzulande ein Thema. Ob der Zwang zu guten Besucherquoten die Institutionen immer tiefer in eine Spirale publikumswirksamer Rezeptionskunst hineintreibt, wird auch außerhalb der österreichischen Grenzen diskutiert. Für Jean-Christophe Ammann, Direktor des Museums für Moderne Kunst in Frankfurt geht ohne Unterstützung des Staates gar nichts.

Für Ammann liegt der Schwerpunkt seiner Arbeit im Bereich der Sammlung - dort will er auf keinen Fall Kompromisse machen. Was die Ausstellungspolitik anlagt, so Ammann, müsse man sich eben was einfallen lassen, um Publikum anzuziehen. Er selbst habe Ausstellungen gemacht, die Publikum brachten, aber auch solche, vor allem radikale Dinge, mit weniger Anklang - man müsse eben herausfinden, wie man Publikum akquiriert, so seine Schlussforderung.

Pro, aber auch Contra

Das Akquirieren von Kundschaft sieht hingegen der Direktor des Museums für Angewandte Kunst, Peter Noever, für den Bereich der zeitgenössischen Kunst als problematisch an. Sein Credo: Kunst ist wie ein Stachel in der Gesellschaft, Kunst bringt Irritation. Auf dem Dampfer Kunst und Quote will Noever daher nicht mitfahren - er meint, man solle sich auf die kulturelle Aufgabe konzentrieren und nicht auf die Garnierung.

MAK
MAK

Noever begrüßt die Ausgliederung grundsätzlich, sieht sie allerdings, wie er sagt, "höchst fahrlässig" durchgeführt. Grundlegender Fehler sei, alle Häuser auf die gleiche Basis zu stellen. Bei zeitgenössischer Kunst könne man allerdings nicht nur ökonomische Kriterien anlegen.

Peter Noever hofft deshalb auf Verhandlungen. Die Politiker könnten sich nicht auf den reinen Gesetzestext zur Ausgliederung zurückziehen - das sei ein Schaden, der nicht mehr gutzumachen sei.

Wie Noever und sein Museum für Angewandte Kunst auf den Quotendruck reagieren werden, will er am Donnerstag bei seiner Bilanz-Pressekonferenz mitteilen. Der Titel: "Museen ohne Zukunft. MAK ohne Kompromisse".

Tipp:

Zur aktuellen Diskussion gibt es heute Abend in der
Fernsehsendung Treffpunkt Kultur auch eine Live-Diskussion mit u.a. Lorand Hegyi, Peter Noever und Klaus Albrecht Schröder.

Radio …sterreich 1