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derStandard.at | Wissenschaft | Welt 
04.05.2004
20:27 MEZ
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Bibliothekswissenschaft neu: Kunstdatenbank im Internet
Basis Wien vernetzt Archive zeitgenössischer Kunst international

Wien - Unter einer neuen Internetadresse entblättert sich ein Archiv zur Kunst der Gegenwart in selten da gewesener Vollständigkeit. Beinahe alles, was Fachkundige und Laien zum Thema suchen könnten, scheint hier verzeichnet. Zu finden sind internationale Künstler, deren Aktivitäten und Ausstellungen, Fotos, Texte, Fachbegriffe und deren korrekte Übersetzungen in andere Kunstsysteme. Geplant sind auch noch weitere Sprachen.

Die Kulturinformationsstelle "basis wien" hat damit ihre Arbeit logisch fortgesetzt. Nach ihrem Archiv zur österreichischen Kunst hat sie nun im Rahmen des EU-geförderten Projekts "Vektor" bibliothekswissenschaftliche Grundlagenforschung betrieben und internationale Kunstdatenbanken vernetzt. Partner waren das Fachmagazin Kunst Bulletin, das Schweizer Institut für Kunstwissenschaft und das Documenta-Archiv. Das Team will damit neue Standards zur Archivierung zeitgenössischer Kunst geschaffen haben.

Struktur des Werks

Die Archivierung der Gegenwartskunst stecke in den Kinderschuhen: "Der Bewahrung kulturellen Erbes steht eine lebendige, prozessorientierte Kunstpraxis gegenüber, die sich oft traditionellen Klassifikationsmethoden entzieht", beschreibt es basis-Geschäftsführerin Lioba Reddeker dem STANDARD. Kulturwissenschaft hinterfrage Bibliothekswissenschaft - mit einer Archivierung nicht nur nach Schlagworten allein, sondern auch nach der Struktur der Kunstpräsentation.

Es sei daher eine Suchmaschine entwickelt worden, deren Erfassungskategorien die künstlerische Vielfalt und den demokratischen Zugang zur Kunst so wenig wie möglich beschränken. "Gegenwart dokumentieren" - die wissenschaftliche Publikation dazu erscheint demnächst und trifft ins Herz der Diskussion um Internetarchive. Die durchschnittliche Lebensdauer eines Dokuments im Internet sei 70 Tage: "Es ist also sinnvoller, das World Wide Web als temporären Speicher zu betrachten, und kulturelles Erbe in wissenschaftlich geführten Datenbanken zu verorten", hebt Redekker hervor.

Die "basis" wird nun auch offiziell als Wissenschaftsverein geführt, um neue Finanzmittel aus dem Wissenschaftsbudget lukrieren zu können. Bisher finanzierte sie sich als Kulturverein aus EU-, Bund-und Stadtmitteln über punktuelle Projektförderungen. (Eva Stanzl/DER STANDARD, Printausgabe, 5.5.2004)


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