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Kunstberichte

Heftige Provokation im Birkenwald

Das BA-CA-Kunstforum setzt ab heute, Mittwoch, mit Markus Lüpertz die Reihe zeitgenössischer Maler fort
Illustration
- Ein Säulen-Ufo? Nein, Lüpertz’ „Dithyrambe – schwebend“.  Foto: Galerie Michael Werner

Ein Säulen-Ufo? Nein, Lüpertz’ „Dithyrambe – schwebend“. Foto: Galerie Michael Werner

Von Brigitte Borchhardt-Birbaumer

Mit langem weißen Bart wirkt der perfekt gekleidete Markus Lüpertz, Jahrgang 1941, wie ein Philosoph. Seine Malerei vereint diese Attitüde mit Poesie: Die Antike scheint hier zurückzukehren, doch auch eine barocke Schwere, angeregt von der Moduslehre des Nicolas Poussin. Diese Musiktheorie liebt er mehr als die gemischte Beliebigkeit der Postmoderne.

Nach dem Vorbild der Renaissance ist er ganz Künstlerfürst und genialer, nahezu Gott ähnlicher Schöpfer, zudem Sportler und Dandy. Bleibt am Ende noch ein angesehener bürgerlicher Beruf: Lüpertz ist schon längere Zeit Rektor der Akademie in Düsseldorf.

Ehedem in den Sechzigerjahren waren er, Georg Baselitz und Jörg Immendorf die großen Aufrührer: als alle im Gegensatz zum "sozialistischen Realismus" abstrakt malten und die deutsche Vergangenheit kein Bildthema war, traten sie als Figuren- und Landschaftsmaler auf. Auf den Leinwänden zeigten sich mit großer Geste gemalte Stahlhelme, Kornähren, Soldaten oder Geweihe – alles penetrant "deutsche Motive". Baselitz und die Berliner Galerie Werner & Katz wurden 1964 zwar nicht wegen Wiederbetätigung, aber "unzüchtiger Darstellung in zwei Fällen" verurteilt; Lüpertz wird noch bis heute von Michael Werner vertreten.

Der Malerfürst, der Genie als Rolle versteht, wünschte sich hier in Wien keine chronologische Hängung seiner Bildzyklen, sondern manchmal harte Konfrontationen – auch mit den zahlreichen Skulpturen und Zeichnungen. Da 1994 im Modernen Museum (damals im Palais Liechtenstein) viele seiner frühen Tafelbilder aus der "dithyrambischen" Phase zu sehen waren, sind diese schwebenden Gebilde, die um eine Sprachform der Gesänge für Dionysos kreisen, mit nur einem Beispiel zu sehen.

Doch die berühmten Stahlhelme auf dunklen Hügeln oder die kalten Ornamentmuster der Seerosen nach Monet sind neben eine Gruppe "Vesperbilder" gereiht, die einen ganzen Saal in die Stimmung von Birkenwäldern taucht. Diese kombinatorischen Paradiese verbinden abstraktes Gitterwerk und Birkenstämme, die an die Ästhetik im Nationalsozialismus sowie Kitsch und Gustav Klimt gleichzeitig erinnern: Fertig ist die Verwirrung aller Kunstexperten.

Starke Pratze des ehemals Wilden

Provokant sind auch die Skulpturen, die in Wien erstmals gezeigt werden: die "Daphne"-Serie schließt sich den teils nächtlichen antiken Landschafts-Idyllen an, wie auch einige Aquarelle und Kreidezeichnungen. Die großen, bunten Mozartfiguren fehlen natürlich in diesem Jahr weder hier noch in Salzburg. Fast unbekannt und virtuos sind die früheren surrealistischen, ebenso bemalten Skulpturen.

Premiere auch für die Malerei der letzten Jahre: zum einen die Serie nach dem Deutschrömer Hans von Marées, zum anderen männliche Rückenakte, die wie die Skulpturen mit Disproportionen – kurzen Beinen oder dünnen Ärmchen – spielen. Die starke Pratze des ehemals Wilden bleibt spürbar – man muss seine Werke nicht alle mögen, es fällt aber schwer, sich der handwerklichen Qualität zu entziehen.

Markus Lüpertz

BA-CA-Kunstforum

Freyung 8, 1010 Wien

Kuratoren: Ingried Brugger,

Florian Steininger

Sa-Do 10 bis 19 Uhr, Freitag 10 bis 21 Uhr

http://www.ba-ca-kunstforum.at/

Bis 5. November

Vollmundig.

Mittwoch, 06. September 2006


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