Kein Festhalten, kein Loslassen
In die neue Malerei von Christian Eder ist Bewegung gekommen.
Feldkirch (VN-ag)
Wo beginnt ein Bild, wo hört es auf ? Mit dieser zentralen Frage
beschäftigt sich die Malerei von Christian Eder. Auch in den jüngsten
Arbeiten, die der Künstler derzeit in der Feldkircher Villa Claudia
zeigt, geht es um die Grenzen zwischen Raum und Bild. Ellipsen und
Streifen Die Werkkonstanten Christian Eders sind die gleichen
geblieben: Von den bekannten Bildelementen der Ellipsen und vertikalen
Balken, die noch weiter reduziert als duales Farb- und Formgefüge
erscheinen, und den einander gegenübergestellten, harmonisch
gewichteten Farbflächen, leben auch die neuen Arbeiten. Doch plötzlich
kommt Bewegung ins Bild, die durchkomponierten und nach allen Regeln
der Geometrie kalkulierten Flächen beginnen zu vibrieren und zu
flirren. "Schuld" daran sind die enger gezogenen vertikalen oder auch
diagonalen Linien, die für ein zusätzliches Moment der Verdichtung
sorgen und sich wie ein Netz zusammenziehen, in dem sich das Auge des
Betrachters verfängt. Es gibt kein Festhalten auf diesen
Bildoberflächen, aber auch kein Loslassen. Sackgasse Landschaft
Spannung entsteht
immer dort, wo Flächen und Linien bzw. Linien und Linien aufeinander
treffen. Was passiert an diesen Stellen, welche Dynamik entwickelt die
Farbe - das sind die bildimmanenten Fragestellungen, die den Künstler
verfolgen. Das Medium Ölmalerei gibt ihm dazu die passenden Werkzeuge
an die Hand, wie die verschieden gestalteten, vielschichtig aufgebauten
Oberflächen beweisen. Ein Exkurs in die Landschaft, der sich in
Farbfeldern auf einer Leinwand manifestiert, erweist sich für Eder als
Sackgasse und bleibt ein einmaliges Ereignis. Abbilden ist sein Ding
nicht. Auf das Potenzial des Tafelbildes vertrauend, lotet Eder
stattdessen in einem experimentellen Prozess die Eckpunkte eines
Koordinatensystems der Wahrnehmung aus. Wie sorgfältig und wie
konzentriert er das macht, wird im Nebeneinander der Werkgruppen, in
den Durchblicken, deutlich. Die Ausstellung ist in der Feldkircher Villa Claudia bis 3. Dezember zu sehen, Mi bis Fr, 16 bis 19, Sa, So, 10 bis 13 Uhr.
ZUR PERSON
Künstler Christian Eder
Geboren: 1964 in
Bregenz Ausbildung: Studium der Pädagogik, Kunstgeschichte und
Psychologie Auslandsaufenthalte: Stipendium für Atelieraufenthalte in
London und Berlin Projekte: dialogische Kunstvermittlung, Projekt mit
Arbeitssuchenden, zahlreiche Ausstellungen Wohnort: Wien und Bregenz Arbeit von Christian Eder: Was passiert an Stellen, an denen Flächen und Linien aufeinandertreffen? (Foto: A. Grabher)
|