VN Sa, 11.11.2006

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Kultur 

Kein Festhalten, kein Loslassen

In die neue Malerei von Christian Eder ist Bewegung gekommen.

Feldkirch (VN-ag) Wo beginnt ein Bild, wo hört es auf ? Mit dieser zentralen Frage beschäftigt sich die Malerei von Christian Eder. Auch in den jüngsten Arbeiten, die der Künstler derzeit in der Feldkircher Villa Claudia zeigt, geht es um die Grenzen zwischen Raum und Bild.

Ellipsen und Streifen Die Werkkonstanten Christian Eders sind die gleichen geblieben: Von den bekannten Bildelementen der Ellipsen und vertikalen Balken, die noch weiter reduziert als duales Farb- und Formgefüge erscheinen, und den einander gegenübergestellten, harmonisch gewichteten Farbflächen, leben auch die neuen Arbeiten. Doch plötzlich kommt Bewegung ins Bild, die durchkomponierten und nach allen Regeln der Geometrie kalkulierten Flächen beginnen zu vibrieren und zu flirren. "Schuld" daran sind die enger gezogenen vertikalen oder auch diagonalen Linien, die für ein zusätzliches Moment der Verdichtung sorgen und sich wie ein Netz zusammenziehen, in dem sich das Auge des Betrachters verfängt. Es gibt kein Festhalten auf diesen Bildoberflächen, aber auch kein Loslassen.

Sackgasse Landschaft

Spannung entsteht immer dort, wo Flächen und Linien bzw. Linien und Linien aufeinander treffen. Was passiert an diesen Stellen, welche Dynamik entwickelt die Farbe - das sind die bildimmanenten Fragestellungen, die den Künstler verfolgen. Das Medium Ölmalerei gibt ihm dazu die passenden Werkzeuge an die Hand, wie die verschieden gestalteten, vielschichtig aufgebauten Oberflächen beweisen. Ein Exkurs in die Landschaft, der sich in Farbfeldern auf einer Leinwand manifestiert, erweist sich für Eder als Sackgasse und bleibt ein einmaliges Ereignis. Abbilden ist sein Ding nicht. Auf das Potenzial des Tafelbildes vertrauend, lotet Eder stattdessen in einem experimentellen Prozess die Eckpunkte eines Koordinatensystems der Wahrnehmung aus. Wie sorgfältig und wie konzentriert er das macht, wird im Nebeneinander der Werkgruppen, in den Durchblicken, deutlich.

Die Ausstellung ist in der Feldkircher Villa Claudia bis 3. Dezember zu sehen, Mi bis Fr, 16 bis 19, Sa, So, 10 bis 13 Uhr.

ZUR PERSON

Künstler Christian Eder

Geboren: 1964 in Bregenz Ausbildung: Studium der Pädagogik, Kunstgeschichte und Psychologie Auslandsaufenthalte: Stipendium für Atelieraufenthalte in London und Berlin Projekte: dialogische Kunstvermittlung, Projekt mit Arbeitssuchenden, zahlreiche Ausstellungen Wohnort: Wien und Bregenz

Arbeit von Christian Eder: Was passiert an Stellen, an denen Flächen und Linien aufeinandertreffen? (Foto: A. Grabher)




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