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Der Standpunkt: Von den Leuchtfeuern einer "Langen Nacht"

08.10.2007 | SN
KARL HARB

Längst ist die "Lange Nacht der Museen" zu einem fixen Bestandteil des Kulturangebots geworden. Nicht nur Österreich, auch Deutschland veranstaltet solche Events, deren Marke mittlerweile auch für andere, ähnliche Aktivitäten adaptiert wird - von der Nacht der Musik bis zur Nacht der Kirchen.

Entspanntes Flanieren macht, je nach Wetterlage, ein Gutteil des Erfolgs aus. Ohne Schwellenangst kann da Jung und Alt vermeintlich hehre "Kunsttempel", Museen und Galerien, betreten, ohne Zwang in einer Masse an Gleichgesinnten Kunstsinn zeigen. Denn veranstaltet wird eine solche "Lange Nacht" gewiss nicht für eingefleischte Kenner, die ohnehin Jahr und Tag in Kunstinstitutionen ein und aus gehen. Veranstaltet wird sie für - wie Zahlen und jährlicher Augenschein beweisen - die vielen, die (wenigstens) ein Mal im Jahr Kunst betrachten wollen.

Für diese vielen gibt es, in mittlerweile 550 Kunstinstitutionen Österreichs, eine enorme Programmvielfalt. Denn zum Event der "Langen Nacht" zählen wesentlich die zusätzlichen Besonderheiten, die die einzelnen teilnehmenden Organisationen gezielt zum Anlass anbieten: Spezialführungen, Konzerte, Angebote zur aktiven Teilnahme und Mitwirkung, spezielle Programme für Kinder, besondere Themenschwerpunkte oder lukullische Genüsse.

Puristen mögen davon abgeschreckt werden. Für eine Nacht wird der Eventwert höher veranschlagt als der nachhaltige, bleibende "Kulturwert". Und der Event kostet ja auch Geld extra: für Personal, das außerhalb der regulären Öffnungszeiten engagiert werden muss, für zusätzliche Sicherungsmaßnahmen, für die begleitenden Aktivitäten.

Verständlich daher, dass sich gerade kleinere oder private Initiativen aus dem Massenspektakel manchmal auch ausklinken. An der "Langen Nacht" nehmen viele Kulturanbieter primär aus Prestigegründen teil, nicht deshalb, weil hier großes Geld zu machen ist.

Trotzdem ist es gut und richtig, einmal mehrere Stunden lang die Türen zur Kultur so aufzumachen, wie es "Lange Nächte" oder "Tage der offenen Tür" in verschiedenen Disziplinen versuchen. Vielleicht führt ja das Gustieren und Schnuppern bei dem einen oder anderen dazu, "in Ruhe" einmal wiederzukommen. Und vielleicht wird der dadurch Interessierte dann sogar feststellen können, dass Kultureinrichtungen von sich aus schon im "Normalfall" sehr viel unternehmen, um etwa ein Museum attraktiv, zeitgemäß und lebendig zu gestalten. Das neue Salzburg Museum, in der "Langen Nacht" gestürmt, ist dafür das jüngste Vorbild.

Die Leuchtfeuer, die eine "Lange Nacht der Museen" zünden kann, sollten nicht verglühen, sondern Wegweiser sein. Aber nicht nur die Kultur hat da eine Hol-, auch das Publikum hat eine Bringschuld: Durch seine permanente Neugierde, an der Kunst Anteil zu nehmen.

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