12. Februar 2010 - 00:04 Uhr · Von Kurt Daucher · Steyr

Skulptur im Fluss: Wie schon vor 20 Jahren könnte es Proteste hageln

Skulptur im Fluss: Wie schon vor 20 Jahren könnte es Proteste hageln
STEYR. Wo einst der „Mann im Fluss“ stand, soll eine moderne Stahl-Skulptur postiert werden. Der Tourismusverband schreibt in Kürze einen Künstlerbewerb aus. Widerstand scheint vorprogrammiert.

Auslöser für die Initiative ist der Umstand, dass die Flößerkrippe viel schneller als erwartet das Zeitliche gesegnet hat. Alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit war sie bei Zwischenbrücken in die Enns gesetzt worden, um vor allem den Touristen ein zusätzliches Fotomotiv zu bieten. Von unten her verfault, von oben her vom Möwen-Kot zerfressen, hätte sie nun um rund 7000 Euro restauriert werden müssen – was sich der Tourismusverband nicht mehr leisten wollte.

Die Idee, nun eine von Künstlerhand gestaltete Skulptur schaffen zu lassen, hat mehrere Väter bzw. Mütter. Tourismus-Direktorin Eva Pötzl wollte einen Ersatz für die „Krippe am Floß“, der dauerhaft Bestand hat – und fasst als Standort den Betonsockel kurz vor der Mündung der Steyr in die Enns ins Auge. Grün-Gemeinderätin Sissi Gruber, die sich für die Umsetzung des Kulturentwicklungsplans stark macht, regte den Künstlerbewerb an. Auch Vizebürgermeister Gunter Mayrhofer (VP), der politisch sowohl für den Tourismus als auch für die Kultur zuständig ist, ist auf dieser Schiene unterwegs.

Ausschreibung folgt in Kürze

Nach den Vorstellungen Mayrhofers wird der Bewerb in wenigen Wochen via Amtsblatt ausgeschrieben. Preis für den Sieger wäre die Umsetzung des auserwählten Entwurfs. Wobei sich Mayrhofer gar nicht auf das Material Stahl festlegen will. „Die Skulptur muss aber auf alle Fälle wetter- und hochwasserfest sein“, sagt er. Er könne sich auch eine Kombination aus Metall und Licht vorstellen.

Mit großem Widerstand gegen die Kunst im Fluss rechnet Mayrhofer übrigens nicht. Würden tatsächlich die Wogen der Empörung hochgehen, werde er das gelassen hinnehmen: „Kunst regt oft auf zum Zeitpunkt, an dem sie entsteht. Man denke an das Hrdlicka-Denkmal in Wien.“

Gegen den Mann im Fluss, der 1991 per Hubschrauber auf den Steyr-Betonsockel geflogen wurde, hatte es massiven Widerstand gegeben. Er verschandle das Stadtbild, vor allem den Blick vom Museumssteg auf die Michaelerkirche, so die Meinung der Kritiker von einst. Ob heute der modernen Kunst mehr Toleranz entgegen gebracht wird, ist fraglich.

Quelle: OÖNachrichten Zeitung
Artikel: http://www.nachrichten.at/oberoesterreich/steyr/art68,334955
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