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Kunstberichte
Ausstellung: Lebt und arbeitet in Wien III: Stars in a Plastic Bag

Labor für Kunst und Leben

Junge Werke: "Self Portrait" des Künstlers Cut and Scrape. Foto: Cut and Scrape

Junge Werke: "Self Portrait" des Künstlers Cut and Scrape. Foto: Cut and Scrape

Aufzählung (bbb) Die Kunsthalle generiert sich wieder als öffentliches Labor für einen Teil der in Wien vorhandenen Kunstszene. "Lebt und arbeitet in Wien" ist nach fünf Jahren in Phase III – als offenes Atelier, in dem auch während der Ausstellungszeit gearbeitet wird. Sogar hinaus lenken einige Künstler, die ihre Ateliers zu Projekträumen oder Off-Spaces umfunktioniert haben – wie der Wand-Collageur Thomas Draschan zwischen Fotokitsch und Videoklassik, Martin Vesely oder Entertainer Oliver Hangl, der mit "Guerillawalk" in den umliegenden öffentlichen Raum führt.

Ob die Reisen der Künstlergruppe Mahony als "Odyssee 500" (mit Bezug auf Werner Herzogs Film "Fitzcarraldo") wirklich auf der Plattform einer "Trägerrakete für junge Kunst" gelandet sind, bleibt leise zu hinterfragen. Die Kunsthalle, die junges Publikum anzieht, will sich jedenfalls so aktuell sehen. Das Amalgam im brodelnden Labor entstand durch die Auswahl von drei internationalen Kuratorinnen gemeinsam mit Angela Stief von der Kunsthalle und trägt wohl auch die Backstage-Handschrift von Gerald Matt.

Da tauchen schon einigermaßen bekannte Namen aus den Galerien auf, die natürlich selbst nicht unbekannt sind für ihr Gespür als Entdecker. Neben "Mahony" sind das sicher der Fixstern Mara Mattuschka mit ihren Filmen zur Body-Art seit den 70ern, die Malerinnen Katrin Plavcak und Lisa Ruyter, Rudolf Polansky oder Exzessivzeichner Constantin Luser. Einige kamen im Belvedere bereits zum Zug.

Im Katalog erfreuen die "Wienstrecken" mit alten Hausfassaden, fotorealistisch gemalt vom bereits verstorbenen Franz Zadrazil, einem Schüler Rudolf Hausners, und die wie immer aus einem Wien als Absurdistan hergeleiteten Fotostrecken von Paul Albert Leitner. Neu kommt Michael Laczynskis "Simmering", ein Sonnenuntergang über der Südosttangente, hinzu.

Also auch Wien-Nostalgie? Eher weniger, aber die Bezüge zur barocken Affektenlehre durch Maria Bussmanns poetische Zeichnungen lassen Erinnerungen wach werden. Endgültig im Leben sind wir dann angelangt, wenn Marianne Vlaschits fast alle Beteiligten klein, schwarzweiß und bildlich auflistet.

Aufzählung Ausstellung

Lebt und arbeitet in Wien III: Stars in a Plastic Bag
Kunsthalle Wien
bis 30. Mai

Printausgabe vom Mittwoch, 17. März 2010
Online seit: Dienstag, 16. März 2010 16:27:00

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