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Die ersten Ausstellungen gelten Edvard Munch, Robert Longo und der Geschichte der Fotografie

Wiedereröffnung der Albertina


Debattieren Sie mit!Noch wird in und um die Albertina überall heftigst gearbeitet, doch es soll sich alles ausgehen, versichern die Verantwortlichen: Vielleicht nicht gerade bis zum 13. März, wenn Direktor Klaus Albrecht Schröder (47) um 9.45 Uhr zur Pressekonferenz und zur Vorbesichtigung der Habsburgischen Prunkräume sowie der drei Eröffnungsausstellungen lädt. Aber bis zum Abend, wenn Bundespräsident Thomas Klestil im Musen-Saal der Albertina zum Staatsbankett bittet, muss der Baumaschinenlärm ein Ende haben.
Zum Eröffnungstermin haben sich nicht nur zahlreiche ausländische Journalisten angemeldet, auch das Interesse der Politik ist groß. Königin Sonja von Norwegen wird persönlich die bisher größte außerhalb ihres Landes gezeigte Ausstellung des norwegischen Künstlers Edvard Munch eröffnen. Mit "Auge und Apparat. Eine Geschichte der Fotografie" präsentiert das Haus gleichzeitig seine 1999 gegründete Fotosammlung, mit Robert Longos "The Freud-Drawings" zeigt das Museum, dass man auch bei zeitgenössischer Kunst mitredet.
Am 14. März findet um 17 Uhr im Festsaal des Hofburg-Kongresszentrums in Anwesenheit der Königin, des Bundespräsidenten und zahlreicher Regierungsmitglieder der feierliche Festakt zur Wiedereröffnung statt. Ab 15. März, 10 Uhr, darf die Albertina, die seit 1994 für den regulären Ausstellungsbetrieb geschlossen war, auch vom "normalen" Publikum wieder in Besitz genommen werden.

Nicht wiederzuerkennen

Eines ist sicher: Die Wiener werden die Albertina kaum wiedererkennen. Die Architekten Erich Steinmayr und Friedrich Mascher haben ganze Arbeit geleistet. Die 1998 begonnenen Umbauarbeiten, die seit 2000 durch den neuen Direktor Schröder entscheidende Erweiterungen erfuhren, haben kaum einen Stein auf dem anderen gelassen: Um 100 Millionen Euro ist "Österreichs modernstes Museum" (Eigenwerbung) entstanden, das zwar über keine permanente Schausammlung, aber über drei vollklimatisierte Ausstellungshallen, ein mehrgeschoßiges Studiengebäude sowie einen Tiefspeicher verfügt. Erstmals werden auch die renovierten klassizistischen Prunkräume zugänglich macht.
Albertina-Besucher gelangen über Rolltreppe oder Lift durch die Bastei auf Palais-Niveau (das neue Wahrzeichen, Holleins Titan-Flugdach, wird erst im Spätsommer aufgestellt) und durch den wieder aktivierten ursprünglichen Eingang in den neu überglasten "Albertina-Court", das Herz des Museums. Schröder rechnet mit mindestens 350.000 Besuchern jährlich.
Wer Dürers extrem scheuen "Feldhasen", das wohl berühmteste Stück der reichen Albertina-Bestände, persönlich zu Gesicht bekommen möchte, hat zwischen 5. September und 30. November 2003 in einer großen Dürer-Ausstellung Gelegenheit dazu.

Die Eröffnungsausstellungen

Mit vier Attraktionen wartet die Albertina anlässlich ihrer Wiedereröffnung am 14. März auf: Nach aufwändigen Restaurierungsarbeiten werden die 14 Habsburgischen Prunkräume erstmals in ihrer originalen Ausstattung aus dem Klassizismus zugänglich sein.
"Edvard Munch. Thema und Variation" steht stellvertretend für die Absicht des Museums, hauseigene Bestände gemeinsam mit fremden Spitzenwerken zu zeigen, "Auge und Apparat. Eine Geschichte der Fotografie" präsentiert erstmals die 1999 gegründete Fotosammlung des Hauses, und "Robert Longo. The Freud-Drawings" macht klar, dass die Albertina auch für zeitgenössische Künstler da ist.
"Edvard Munch. Thema und Variation" zeigt über 60 Gemälde und 140 Grafiken aus allen Schaffensperioden des berühmten norwegischen Wegbereiters des Expressionismus. Ikonen der modernen Kunstgeschichte wie "Der Schrei", "Madonna" oder "Pubertät" werden in Wien zu sehen sein. Über 30 private und öffentliche Sammlungen haben beigesteuert, um den vielfältigen Umgang Munchs mit ausgewählten Sujets zu belegen. "Mit diesem dicht ineinander verwobenen Schaffen formuliert Edvard Munch einen der Wendepunkte zur Moderne. Er bleibt dabei im Rahmen gegenständlicher Motive. Seine Bildwelten sind erfüllt von existenziellen Gefühlen und empfindsamen Atmosphären, die nur mit Hilfe aller Wahrnehmungsebenen zu einer Synthese verschmelzen können", heißt es dazu aus der Albertina. "Auge und Apparat. Eine Geschichte der Fotografie" (bis 8. Juni) zeichnet in acht Kapiteln die Geschichte der Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts nach. "Unsere Schau spannt einen Bogen von der inszenierten Fotografie bis zum Schnappschuss", erläutert Monika Faber, die Leiterin der Fotosammlung, ihr Konzept. Dabei werden Arbeiten aus der Pionierzeit der Fotografie wie die älteste Aufnahme Wiens aus dem Jahr 1840 ebenso zu sehen sein wie die erotischen Kompositionen von Rudolf Koppitz oder die reportagemäßigen Arbeiten von Walker Evans oder Stephen Shore.
Die dritte Eröffnungsausstellung gilt Robert Longos "The Freud-Drawings" (bis 8. Juni), eine Serie von großformatigen Graphit- und Kohlezeichnungen, die der 1953 geborene New Yorker Künstler in den vergangenen drei Jahren geschaffen hat. Dabei dienten ihm die düsteren Aufnahmen, die Edmund Engelman "an einem regnerischen Vormittag im Mai 1938" in der Wohnung Sigmund Freuds in der Berggasse 19 gemacht hat, als Ausgangspunkt. "Was ich mit den ,Freud-Drawings' gemacht habe, ist der Versuch einer Psychoanalyse von Freuds Wohnung", sagt der Künstler, "ich verwendete das Konzept der selektiven Erinnerung, hob Teile der Einrichtung hervor, stellte Dinge in der Wohnung um, gab Gegenstände vergrößert wieder." Mit extremer Detailvergrößerung oder starken Schwarzweißkontrasten entstehen so geheimnisvolle, beängstigende Bilder voller Symbolik. Wenige Tage nach Engelmans Aufnahmen gelang Sigmund Freud gemeinsam mit seiner Tochter Anna die Flucht ins Londoner Exil.
Auch der ORF befasst sich mit der Albertina: Am 14. März zeigt ORF 2 um 21.20 Uhr eine Dokumentation im Rahmen von "Schauplatz Österreich".
Öffnungszeiten: täglich 10 bis 18 Uhr, Mi. 10 bis 21 Uhr, Informationen unter 01/534 83-0 und im Web: http://www./ albertina.at

Erschienen am: 06.03.2003

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