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| 24.10.2005 - Kultur&Medien / Ausstellung | ||
| Kunstmesse: Laokoon-Sexorgie musste weichen | ||
| VON ALMUTH SPIEGLER | ||
| Erfolg heimischer Galerien bei der dritten "Frieze Art Fair" in London. | ||
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Die Queen wäre sicher "not amu sed" gewesen, hätte der Direktor ihres
Regents Parks das Objekt der Erregung nicht in vorauseilendem Gehorsam
entfernen lassen: Wenn das holländische Kollektiv "Atelier van Lieshout"
die Laokoon-Gruppe neu interpretiert, kann das nun einmal in einer
plastischen Sexorgie enden. Schon vor der Eröffnung musste das stilisierte
Menschenknäuel aus dem Skulpturenpark der "Frieze Art Fair" in einen
abgesperrten Bereich direkt beim weißen Doppelzelt der Kunstmesse verrückt
werden, einsichtig nur vom "Sushi-Cafe". Jawohl. Sushi. Will man die Coolness einer Kunstmesse an
ihren Rahmenbedingungen und den parasitären Alternativ-Veranstaltungen
messen, dann ist die vom gleichnamigen Kunstmagazin organisierte "Frieze"
in Europa ungeschlagen: Auf 18.000 Quadratmetern fand man sechs Cafés, ein
Restaurant, ein Kino, ein Auditorium und bei der Vernissage Gäste wie
Gwyneth Paltrow und Claudia Schiffer. Das Musikprogramm bestritt heuer
nach Franz Ferdinand im Vorjahr Karlheinz Stockhausen - und parallel zu
all dem fanden vier andere Kunstmessen statt. Bei der jungen Frieze scheint sich alles rasant zu
maximieren: Statt 124 Galerien (2003) nahmen heuer 160 teil; die
Umsätze steigerten sich von elf Mio. Pfund 2003 auf 26 Mio. 2004. Ein
Wachstum, das sowohl den überhitzten internationalen Kunstmarkt
widerspiegelt wie das Erwachen des britischen. Ob dieser Erfolg
fortgesetzt werden konnte, müssen die Schlusszahlen zeigen. Der Stimmung
nach aber scheint es, als wenn die europäischen Sammler das weitgehende
Ausbleiben der US-Sammler, das Galerist Thaddäus Ropac feststellte,
ausgleichen konnten. Er hatte am Wochenende bereits den Großteil seines
Angebots verkauft. Auch den anderen Österreichern schien es gut zu gehen:
Martin Janda hatte u. a. Erfolg mit Roman Ondak, der 2006 eine
Ausstellung in der Tate Modern hat, und auch Roman Signers
Raketen-Installation (36.000 Euro) muss nicht mehr zurück nach Wien.
Georg Kargl konnte u. a. schon die zweite Tranche
Krystufek-Selbstbetrachtungen aufhängen und auch zwei Collagen von Gabi
Trinkaus waren schon weg. Auf Krobath Wimmers Stand fielen die
Abstraktionen von Esther Stocker und Florian Pumhösl auf. Gabriele Senn
wird Hans Weigands Flügelaltarbild "Garten der Lüste' (12.000 Euro) nach
Boston, eine Installation von Michael S. Riedel in die Schweiz
transportieren. Meyer Kainer konnten u. a. die meisten ihrer
mitgebrachten Plastilin-Porträts von Gelatin verkaufen, die in London
gerade die Gagosian Galerie mit ihrer Vorstellung einer Spa-Wellness-Oase
unter Wasser gesetzt haben. Und Ursula Krinzinger, die heuer fast
ausschließlich auf große Arbeiten setzte, konnte so zwar nicht mit
schnellen Verkäufen rechnen, aber vielversprechende Verhandlungen
aufnehmen: Etwa über Erwin Wurms elegant die Wand hinauf kriechendes
Modell der Tate Modern. Überhaupt war ein Hang zum Objekthaften festzustellen.
Beruhigend auch, dass sich neben der Neo-Romantik-Malerei wieder die
Abstraktion Raum verschafft - allerdings nicht minimalistisch, sondern
trashig und bunt. Die Fotografie dagegen scheint sich wie das Video im
Rückzugsgefecht zu befinden, wobei das bewegte Bild mittels
Vintage-Fernseher und ratternder Filmprojektoren wieder Kraft tankt.
Verstörend ist, wie wenig provokant, wie wenig politisch
sich viele Künstler zur Zeit artikulieren. Auch wenn versucht wird, das
mit Titeln wie "really fresh and good and quick and new" (Kenny Scharf) zu
ironisieren oder mit riesigen Formaten zu übersteigern. Manches wirkt wie
Salon-Kunst für ein junges reiches Bürgertum. Und die schon redundanten
Sex-Szenen regen, mit dem Label Porn-Chic geadelt, schon lange niemanden
mehr auf. Dafür muss, wie es Atelier van Lieshout versuchten, schon in
königliche Gärten vorgedrungen werden. |
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