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12.10.2006 - Kultur&Medien / Ausstellung
Mezzanin: Erosionen - Gabriele Senn: Assoziationen

kunstraum

Unvermittelt erinnern sie an die Plakatabrisse aus den 1950ern von Raymond Hains: die mehrschichtigen, vielfärbigen Überlagerungen, Bruchstellen und Einschnitte in Christina Zurfluhs Acrylbildern. Während aber die sogenannten "Affiches lacérées" des Franzosen als "Ready-Made-Malerei" fungierten, vollzieht die gebürtige Schweizerin aufwendige Rituale, die sich nichts Geringerem als der Objekthaftigkeit von Farbe verschrieben haben. Aus bis zu 80 Schichten Couleur sind ihre satten, üppigen und dadurch enorm verführerischen Acrylbilder aufgebaut. Wie ein Biotechniker die DNA seziert die Künstlerin Malereimasse in einzelne Bestandteile, trägt einzelne Layers ab, fügt sie anderswo wieder ein oder integriert außerhalb des Bildträgers gefertigte, mitunter geschliffene Farbbausteine in ihre Kompositionen. Selbst noch so lapidar gesetzte zeichnerische Gesten oder Drippings erhalten dadurch große Plastizität. Dass Zurfluh nach detailliert verfassten Plänen arbeitet, auf diesen Gedanken würde man angesichts der ungezähmten, leidenschaftlichen Ästhetik dieser Bilder nicht kommen (4700-17.000 €). Eine Reihe von Alu-Bronze-Güssen, die wie modellierte Farbklumpen aussehen, bekräftigen schließlich ihr ausgeprägtes Interesse am Material (4500 €). Dabei hat Christina Zurfluh durch ihre spezielle Verfahrensweise den Brückenschlag von Malerei zu Collage und Plastik in ihren Leinwandarbeiten schon längst vollzogen. (Bis 14. 10., Getreidemarkt 14, Wien 1).

Gabriele Senn: Assoziationen

Der Kreis - Symbol für das Absolute, Vollkommene, für Zeit- und Raumlosigkeit. In der Magie verspricht er Schutz vor bösen Geister, in der Folklore kennt man viele Kreistänze und irgendwann einmal dachte man sich die Erde als kreisförmige Scheibe. Leonardo da Vinci quadrierte den Kreis, Kandinsky malte einen gelben und einen blauen, bei Miró stand er für die Sonne, den Futuristen diente er zur Darstellung von Geschwindigkeit. Weitere Kreise ziehen sich durch Op-Art, Minimal Art, Neo-Geo etc. Wenn Barbara Mungenast nun kreisrunde Scheiben als Bildträger wählt und mit Spiralen in Rot, Schwarz, Weiß und Gold versieht, ist ihr damit nicht nur eine wunderschöne Ausformulierung des Grundmotivs gelungen (4000-8000 €). Die Tirolerin (*1960) schafft mit ihren Arbeiten stets auch ein Bezugsnetz, das in sämtliche Bereiche der Kulturgeschichte führt. Immer reflektiert sie auf Vorhandenes. Darüber hinaus berührt sie Fragen, die der Malerei seit der Moderne eingeschrieben sind: Das Ausloten der Grenzen zwischen gestischer Abstraktion und analytischer Konstruktion. (Bis 28. 10., Schleifmühlgasse 1A, Wien 4). Manisha Jothady

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