Salzburger Nachrichten am 05. Juni 2002 - Bereich: kultur
Die spezifischen Arbeiten der Österreicher

Fotografin und Filmemacherin Lisl Ponger, "Typosoph" Ecke Bonk und die in Wien lebende Amerikanerin Rene`e Green

Nur drei Vertreter aus Österreich sind bei der "documenta 11" dabei: die in Wien lebende deutsche Fotografin und Filmemacherin Lisl Ponger, der "Typosoph" Ecke Bonk und die an der Wiener Akademie für bildende Künste lehrende US-Amerikanerin Rene`e Green. Das Design der Ausstellungsflächen - insbesondere die Umgestaltung der ehemaligen Binder-Brauerei im Osten von Kassel - wurde von dem in Wien ansässigen deutschitalienischen Architektenteam Kühn/ Malvezzi vorgenommen.

Rene`e Green wird im Bereich der Orangerie in der Karlsaue, einem Park, den oktogonalen Container "Standardized Octogonal Unit for Imagined and Existing Systems" (2002) aufstellen. Die multimediale Installation beschäftigt sich in acht getrennten Räumen mit Themen, die in einer Liste aus rund 20 Stichwörtern zusammen gefasst sind. Reisen, Exotik, Frau, Mann, Sinne, Landschaft, Maschine, Alphabet, Farbe, Lebensmittel und Afrika sind hier zu finden. In den Pavillons werden Diaprojektionen, Sounds und "Fundstücke" zu sehen und zu hören sein.

Der "Typosoph" Ecke Bonk gab der "documenta 11" ihr einheitliches Erscheinungsbild: sehr schlicht. Die elf Lettern "Documenta11", ohne Zwischenraum, bilden das puristische Logo. Der Anagramm-Charakter sowohl der "11" als auch der Jahreszahl "2002" waren für Bonks philosophischtheoretisch geprägte Typographien von besonderer Bedeutung. Darüber hinaus wird Bonk auch noch mit der Installation "Book of Words. Random Reading" vertreten sein. Aus den rund 350.000 Einträgen im deutschen Wörterbuch der Gebrü-der Grimm werden per Zufallsgenerator ausgewählte Wörter in den Ausstellungsraum projiziert und dem Lesenden zufällig dargeboten.

Bonk erhielt 1996 den österreichischen Staatspreis für das "Schönste Buch", 1999 war er im Österreich-Pavillon auf der Kunstbiennale in Venedig dabei und schon vor fünf Jahren bei der "documenta X" vertreten.

Lisl Ponger wird in Kassel die Foto-Serie "Sommer in Italien. Genua, August 2001" zeigen, die sich mit der Inhaftierung der VolxTheaterKarawane nach den G-8-Protesten des Vorjahres beschäftigt. Die 20 Fotografien der Serie "sind keine Demo-Fotos, sondern eine Art urbane Geschichte, an Hand derer man im Nachhinein nachvollziehen kann, was sich dort abgespielt hat", schilderte die Künstlerin ihre Arbeit. "Meine ganze Arbeit ist auch eine politische, wenn auch nicht immer so direkt", sagte Ponger in einem APA-Gespräch.