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derStandard.at | Kultur | Bildende Kunst 
04.05.2004
15:14 MEZ
Ausstellung "Ulysses. Die unausweichliche Modalität des Sichtbaren", Atelier Augarten, 5. Mai bis 15. August, Di - So 10 - 18 Uhr
 
100. "Bloomsday" wird gefeiert
Ausstellung im Atelier Augarten anlässlich des fiktiven Tags in James Joyces "Ulysses"

Wien - Seit hundert Jahren feiern eingeschworene "Ulysses"-Fans den Bloomsday, jenen fiktiven Tag am 16. Juni, an dem der bahnbrechende Roman von James Joyce spielt. Anlass für die Österreichische Galerie Belvedere, eine Ausstellung im Atelier Augarten zu veranstalten: "Ulysses. Die unausweichliche Modalität des Sichtbaren" ((5. 5. bis 15. 8.). Auch heute noch zieht die Ikone europäischer Moderne junge Künstler in den Bann, und so gesellen sich zu berühmten Werken von Joseph Beuys, Man Ray, oder Franz West Arbeiten von Julius Deutschbauer / Gerhard Spring und Markus Schinwald. Zu sehen sind Installationen, Bilder und Videos.

"Unsere Mitarbeiter aus dem Belvedere wurden zu ausgewiesenen Ulysses-Kennern", meinte Kurator Thomas Trummer bei der Presseführung. "Es war eine euphorische Arbeit, und das Interesse der Künstler, da mitzuarbeiten, war so groß, dass wir irgendwann leider 'njet' sagen mussten". Tatsächlich meint man Leopold Bloom und seine Molly atmosphärisch zu spüren, denn nicht selten sind sie auch Gegenstand der Kunstwerke. "Alle kannten ihren Ulysses, bevor sie zu arbeiten begannen", sagte Trummer. Denn Joyce setzte bekanntlich nicht nur literarische Maßstäbe, sondern inspirierte auch viele bildende Künstler

Der Ansatz

Das Projekt will sich nicht in die Belange der Literaturkritik einmischen, sondern mit künstlerisch-gestaltenden Mitteln deren Perspektiven erweitern. Die Schau versteht sich "als visuelles Kompendium, das zwar auch Fakten und Hintergrundinformationen liefert, jedoch vor allem als visueller Leitfaden zum wichtigsten Roman des 20. Jahrhunderts dienen möchte", heißt es im Pressetext. Sie richtet sich sowohl an Joyce-Experten als auch an solche, die es gerne werden möchten, und stellt die Bedingungen der Übersetzbarkeit einer literarischen Vorlage in bildende Kunst ins Zentrum ihres Unterfangens.

Zu sehen sind u. a. ein singendes Bild, "Love's Old Sweet Song, 2004 after Hamilton, after Joyce" von Markus Schinwald, ein Digitaldruck der Nymphendarstellung "Fabel" von Gustav Klimt auf Leinwand. Im unsichtbaren Hintergrund des Bildes ertönt permanent jener "Love's Old Sweet Song". Recht witzig ist auch die Video-Installation von Deutschbauer /Spring, eine Art Ulysses-Karaoke, wobei zwei Besucher den Monitor-Lauftext aus Ulysses in Mikrofone sprechen können. Amüsant auch das Bild "Twolysses", wo die Künstler Deutschbauer /Spring sich selbst bis zum Oberkörper im Wasser stehend verewigt haben .

Lange Lesung

Edith Clever, Grande Dame der legendären Schaubühne, liest auf Video den Monolog der Molly Bloom, 1985 von Hans Jürgen Syberberg in ihrer Wohnung aufgenommen. Vermutlich werden aber eher wenig Besucher die drei Stunden, die das Video dauert, vor dem Bildschirm ausharren. Von Franz West stammt eine Säule aus Kübeln, von Joseph Beuys zwei Offset Prints auf Papier, "Art-Rite A. 1981" und "Art-Rite B. 1981". Birgit Jürgenssen ist vertreten mit dem Siebdruck "Don't forget June 16th, 1983" und Lawrence Weiner mit einer Klebefolie, auf der ein Zitat aus dem 3. Kapitel des "Ulysses" geschrieben steht.

Zur Ausstellung erschien ein Katalog, der auf den ersten Blick wie der Roman "Ulysses" aussieht und "vielleicht sogar manchem die Lektüre des Opus Magnum erspart. Denn nicht jeder hat ja den Ulysses zur Gänze gelesen, wozu auch ich zähle", bekennt Generaldirektor Gerbert Frodl.(APA)


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