Salzburger Nachrichten am 6. Oktober 2005 - Bereich: kultur
Buntes Bild mit Rahmen

Nach 18 Jahren in einem Dauerprovisorium übersiedelt die ARGEkultur in ein neues Zuhause. Heute, Donnerstag, wird die neue Kulturwerkstatt eröffnet.

ANNE ISOPPSALZBURG (SN). Auf den ersten Blick wirkt auch der Neubau in der Josef-Preis-Allee 16 in Salzburg-Nonntal wie ein Provisorium: Ein Bügel aus Sichtbeton faltet sich über drei Geschoße nach oben; bunte Boxen sind in diesen Rahmen hineingeschoben. Die Kärntner Architekten Gerhard Kopeinig und Gerhard Kresitschnig haben bei der Planung des neuen Zuhauses für die ARGEkultur der Idee einer "offenen Kulturwerkstatt" Form verliehen.

Die Boxen symbolisieren nach außen die verschiedenen Nutzergruppen, erklärt Kopeinig: "Die ARGE ist gelb, das Beisl rot."

Aber ist die ARGE nicht gerade erst einem Containerensemble entflohen? Ja - bei genauem Hinsehen entpuppt sich der neue Bau jedoch als gut durchdachtes und strukturiertes Gebäude. Die alte Holztribüne des SAK-Sportplatzes eröffnet einen ersten, guten Blick auf den Neubau. Die über 50 Meter lange, dem Fußballfeld zugewandte Fassade wird in einigen Jahren Hauptansicht sein. Eine Erschließungsstraße wird dann das ARGEkultur-Gelände von dem neuen "Sportzentrum Mitte" trennen.

Der Eingang in das neue Kulturzentrum aber ist und bleibt an der Schmalseite des Gebäudes, einem kleinen betonierten Vorplatz zugewandt. Dieser wiederum wird geschickt durch einen eingeschoßigen, vorspringenden Bauteil eingefasst. Dieser Seite gelingt es überzeugender als der zukünftigen Hauptfassade, das Image einer Werkstatt nach außen hin zu transportieren, ohne sich dabei aufwändiger Gestaltungsmittel zu bedienen. Ein großes Tor aus semitransparentem Fiberglas höhlt den schwarzen Baukörper fast vollständig aus. Es wird bei Veranstaltungen nach oben gefahren und bietet direkten Zugang zum Foyer. Der Vorplatz dient als "Zunge", sagt Architekt Kopeinig, "die die Leute hereinholt."

Vielversprechend ist das Innere des Gebäudes: Hier haben keine formalen, sondern funktionale Kriterien die Pläne der Architekten geleitet, entstanden sind dabei schöne Raumabfolgen. Da gibt es den Veranstaltungssaal für über 400 Menschen, der seinem Namen "black box" alle Ehre macht: Er ist aus durchgefärbtem, schwarzen Beton konstruiert.

Vom Foyer aus geht es weiter zum Beisl mit einer verglasten Schauküche und über das Treppenhaus zu den Räumen der anderen Nutzergruppen: Von der Krabbelstube im Erdgeschoß über die Musikproberäume im Keller bis zu den Büroräumen der ARGE im obersten Geschoß.

Da das Grundstück die Form eines Tortenstückes hat, wird auch der Bau nach hinten immer breiter. Mit einem ganz in gelb (der Farbe der ARGEkultur) gehaltenen Innenhof haben die Architekten das Lichtproblem gelöst. Er lässt das Tageslicht in die Räume dringen und gewährt vom angrenzenden Treppenhaus aus Einblicke in den Tanzsaal, die Radiowerkstatt und weitere Gebäudeeinheiten.

Die ARGEkultur ist Plattform für 50 Vereine, Gruppen und Initiativen. "Wir wollen variabel bleiben", sagt Geschäftsführerin Daniela Gmachl, "auch für Dinge, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können." 1998 seien noch große Performances angesagt gewesen, heute liege der Schwerpunkt eher auf der Medienkultur.

Durch den verspäteten Baubeginn 2003 konnte räumlich auf die geänderten Anforderungen reagiert werden. Ob dies auch in Zukunft so einfach möglich sein wird? Gerhard Kopeinig ist sich sicher. Er will das Wort "fertig" gar nicht hören: Für ihn beginnt erst jetzt die Idee einer gemeinsamen Kulturplattform Wirklichkeit zu werden.